Oskarchen sitzt auf der Traufkante des Flachdachs vom Mies-van-der-Rohe-Tempel, lässt die Beinchen baumeln und die Haare im Wind wehen. Und schlägt seine rot-weiße Blechtrommel. Passanten gucken irritiert nach oben, manche mit dem Aha-Effekt des Erkennens in der Miene, andere ratlos-amüsiert.
Welch ein Symbol ist der Nationalgalerie und damit unserer Zeit aufs Dach gestiegen! Ein Kind mit Wachstumsverweigerung haut auf die Trommel. Günter Grass schrieb die „Blechtrommel“ 1959, das war 14 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Volker Schlöndorff verfilmte die Handlung 1979; dafür gab es in den USA einen Oscar. Der kleinwüchsige Sohn eines NS-Mitläufers trommelt aus Protest gegen die Nazi-Ideologie, das Mitläufertum. Es ist auch eine Anklage gegen Gewalt, Rassismus, Holocaust und Krieg.
Kunst
Maurizio Cattelan macht die Neue Nationalgalerie zu einem Tempel voller Ketzerei
Weil der italienische Provokateur Maurizio Cattelan seine Kunst ernst nimmt, bekam er soeben den Preis der Nationalgalerie. Samt der unbehaglichen Schau „Night“.
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Maurizio Cattelan: „Never“, 2003
© Neue Nationalgalerie/Michael Bodycomb