Max Kruse allerdings, der Profi des 1. FC Union Berlin, mag am kommenden Wochenende nicht ruhen. Er, der sich immer wieder gern neuen Herausforderungen stellt, macht bei „Schlag den Star“ mit. Am kommenden Sonnabendabend, ProSieben, live ab 20.15 Uhr, sein Gegner heißt Frederick Lau. Der ist Schauspieler, geboren in Berlin-Steglitz, aber nicht etwa Fan von Hertha BSC, sondern von Borussia Dortmund. Mann gegen Mann unter dem Einsatz von Körper und ein bisschen Geist, Spieldauer: mindestens vier Stunden.
Kleine Formkrise im Dezember
Seinen Trainer ficht dieser zeitintensive Ausflug in das Showbusiness offensichtlich nicht an. Tja, Urs Fischer weiß eben, wie man so einen Typen wie Kruse für sich gewinnt, weiß, was man im Gegenzug von so einem Typen bekommt, nämlich das Besondere. Also das, was genauso wie die formidable Parade des Keepers oder die gut getimte Grätsche des Abwehrspielers den Unterschied ausmachen kann. Und nach einer kleinen Formkrise im Ausgang des vergangenen Jahres, als der ehemalige Nationalspieler mit allerlei Wehwehchen zu kämpfen hatte, ist Kruse wieder in Schwung gekommen.
Beim 2:1 in Mönchengladbach war Kruse jedenfalls nach dem Schlusspfiff wieder mal derjenige, den sich die Reporter vors Aufnahmegerät, vors Mikrofon beziehungsweise vor die Kameras wünschten. In der 18. Minute hatte er in einer seiner Lieblingsdisziplinen, dem Elfmeterschießen, gegen den vermeintlichen Elfmetertöter Yann Sommer das Duell gesucht. Kruse verwandelte sicher.
In der 84. Minute hatte er auf dem linken Flügel zusammen mit Passgeber Niko Gießelmann den schläfrigen Patrick Herrmann düpiert, war im toten Winkel des Borussen in den Strafraum des Gegners gestartet, schloss letztlich mit einem bestens platzierten Linksschuss ab. Sommer war zum zweiten Mal geschlagen, Union hingegen obenauf. Neunter Saisonsieg, 34 Punkte, Platz vier. „Im Moment haben wir einfach einen Lauf, und das zeichnet uns aus. Die Chancen, die wir haben, machen wir rein“, sagte Kruse im Nachgang. Und: „Wenn man die Entwicklung bei Union sieht, muss man sagen: Es ist herausragend, was wir hier geleistet haben.“
Nicht nur Top 20, eher Top 10
Dabei steht Kruse beispielhaft für eine mutige, man könnte auch sagen risikofreudige Transferpolitik, die den Klub erstaunlich schnell an das schon vor Jahren von Dirk Zingler vorgegebene Ziel gebracht hat. „Wir wollen zu den Top 20 in Deutschland gehören“, hatte der Klubpräsident seit dem Jahr 2015 wiederholt erklärt. Man wolle raus aus dem „Niemandsland“ der Zweiten Liga, werde dafür aber keine verrückten Dinge tun. Wobei man schon den Eindruck hatte, dass das mit Kruse, schon ein wenig verrückt gewesen ist.
Verträgt der Klub so einen Starspieler, der schon mal über das Ziel hinausschießt, die sozialen Medien nicht nur als zahmer Foto- und Video-Sharer bedient, sondern dort als meinungsstarke, bisweilen mit einer gnadenlosen Direktheit zu Werke gehende Person des öffentlichen Lebens in Erscheinung tritt? Und verträgt die Mannschaft so einen, der in Berlin-Köpenick finanziell bestimmt ein paar Abstriche akzeptieren musste, aber immer noch mit seinem Gehalt weit über den anderen steht? Kurzum: Das passt, weil die Spiele der Eisernen für den Showman regelmäßig zur Payback-Time werden. Ja, Union ist im Januar 2022 auch wegen ihm unter den deutschen Profiklubs nicht nur in den Top 20, sondern eher in den Top 10 zu verorten.
„Wir wissen, was wir an Max haben. Er ist ein sehr intelligenter Spieler, der Räume wahrnimmt wie kein anderer“, hat Urs Fischer nach dem Spiel in Mönchengladbach gesagt. Im Sommer läuft der Vertrag dieses Ausnahmekönners aus. Aber der Deal zwischen Kruse und Union könnte eine Fortsetzung erfahren, im Besonderen mit der Aussicht auf eine Teilnahme an der Champions League.
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