Vielleicht muss man sich in einer Extremsituation befinden, um zu erkennen, dass Tiere sprechen können. Jochen Gutsch und Maxim Leo führen Richard Gold und den Kater Frankie in einer solchen zusammen. Es geht um Leben und Tod, für beide. Den Roman „Frankie“ haben die Autoren aus der Perspektive des Tieres geschrieben.
Der Kater, der schon länger aus Überzeugung in Freiheit lebt, seine Tage mit einem stolzen Eichhörnchen verbringt, entscheidet sich für die Wohngemeinschaft mit einem Miesepeter. Im Roman nennt er ihn nur mit dem Nachnamen, denn er „möchte nicht, dass in meiner Geschichte jemand Richard heißt“. Die Richards unter den Lesern müssen nicht traurig sein. Frankie nennt den Namen zwar „Mist“, zeigt aber Mitleid mit dessen Träger und führt eine Reihe blöder Bezeichnungen auf, die ihm schon gegeben wurden.
Ein Typ wie Tom Hanks
Den Menschen kann man sich etwa so vorstellen wie den von dem schwedischen Autor Fredrik Backman erfundenen „Mann namens Ove“, der sich nach dem tragischen Verlust seiner Frau umbringen möchte, aber immer daran gehindert wird. Der Stoff wurde zweimal verfilmt, zuletzt mit Tom Hanks. In dem Fall lag bei der Produktionsfirma ebenfalls eine Namensphobie vor; die Figur im Film heißt Otto. Auch Gold ist Schlimmes widerfahren, auch er befestigt einen Strick an der Zimmerdecke. Das ist kein Grund zum Gähnen: Nicht der Mann ist so originell an diesem Buch, sondern die Sicht auf die menschlichen Verhaltensweisen und die Sprache des Tiers. Frankie ist Agnostiker und Hedonist.
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Beim Lesen kann man sich gut vorstellen, wie es für Leo & Gutsch war, zu zweit zu schreiben. Sie drehen den Witz in den Dialogen und Szenen stufenweise immer noch einen Schritt weiter und dann noch einen, als hätten sie gemeinsam versucht, stets das Beste herauszuholen. Sie spielen mit seltsamen Abkürzungen (SVW heißt „Standard-Vorgehens-Weise“) und sie greifen komische Erziehungsmethoden aus der Menschenwelt auf (so wird der Kater mit dem in Kindergärten erprobten „Schweigefuchs“ traktiert). Es passiert auch, dass sie ein Hin und Her zwischen Mensch und Tier abrupt mit einer lakonischen Bemerkung abbrechen, was dann auch wieder lustig ist. Wenn Frankie von einer weiblichen Figur „mein kleiner Kot“ genannt wird, sagt sie das übrigens liebevoll und auf Russisch.
Der dunkle Hintergrund des komischen Romans „Frankie“ schiebt sich oft unerwartet nach vorn. Es ist der Umgang mit Depressionen. Die Autoren überlassen es dem klügsten Tier, einem Hund, die entscheidenden Dinge dazu zu sagen. Eine weise Entscheidung des Duos sind doch sonst Katzen- und Hundemenschen eher getrennt.
Jochen Gutsch, Maxim Leo: Frankie. Roman. Penguin, 200 Seiten, 22 Euro
Lesung am 23.4., 18 Uhr, Großer Sendesaal des RBB, Masurenallee 8
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