Am sichersten ist es in den eigenen vier Wänden. Da kann einen kein Tsunami ereilen und auch kein wildes Tier beißen. Wer sich nach draußen begibt, in die Parks von Berlin, nach Mecklenburg oder - ganz schlimm! - nach Bayern, sollte wissen, welchen Gefahren er sich aussetzt. Dort lauert "der gute alte Holzbock", wie Tomas Jelinek, der Wissenschaftliche Leiter des Centrums für Reisemedizin (CRM) Düsseldorf, das stecknadelkopfgroße Spinnentier nennt. Jelinek nutzte gestern den Beginn der Urlaubssaison, um in Berlin vor bösen Krankheiten zu warnen. Ihm zur Seite saß als spezieller Experte Oliver Donoso Mantke vom Nationalen Konsiliarlabor für FSME am Robert-Koch-Institut.Sich unattraktiv machenDer Gemeine Holzbock ist die in Deutschland meist verbreitete Art der Schildzecken. Er kann mittels Bakterien Borreliose übertragen oder die Viruserkrankung Frühsommer-Meningoenzephalitis. FSME-Viren kommen nur in bestimmten Gebieten vor. 136 Kreise vor allem im Südwesten weist die Karte des Robert-Koch-Instituts aus. 288 FSME-Fälle wurden 2008 in Deutschland gemeldet. Der Erreger ist auch in Österreich, Tschechien, Polen, Weißrussland und dem Baltikum zu Hause. Oliver Donoso Mantke rät, sich vor einer Reise in ein Risikogebiet impfen zu lassen.Gegen Borreliose, die von Zecken überall auf der Nordhalbkugel übertragen werden kann, gibt es keine vorbeugende Spritze. Hier schützt, wie beide Wissenschaftler betonten, vor allem Wachsamkeit. Denn erst, wenn die Zecke acht bis zwölf Stunden am Menschen gesaugt hat, wandern die Borrelien in den Wirt über. Tomas Jelinek berichtete von erfolgreichen Versuchen aus den USA, wo nach Zeckenbissen vorsorglich ein Antibiotikum verabreicht wurde, "nur eine Tablette Doxycyclin", als Pille danach. Doch trägt längst nicht jede Zecke die Erreger mit sich. Das müsste weiter untersucht werden.Zecken, der Holzbock wie die seltenere Auwaldzecke, ernähren sich von Blut, wachsen allerdings an Pflanzen auf und müssen warten, bis ein Säugetier vorbeikommt und sie von einem Grashalm oder Blümchen, einem Farn oder Busch abstreift. Dann sucht sich die Zecke einen schönen Platz zum Festsaugen. Tomas Jelinek empfiehlt den Menschen, die Zecke zu vergrämen. Dafür gibt es so genannte Repellents, Mittel zum Einreiben in der Apotheke, mit denen vor allem die Lieblingsstellen der Zecke bedacht werden sollten: unter den Achseln, in der Leistengegend und in den Kniekehlen. Wer sich lange im Wald und auf der Heide aufhält, muss nach zwei bis drei Stunden neu schmieren.Vorsicht in der TürkeiDer Reisemediziner rät vor allem Türkei-Urlaubern zu Anti-Zecken-Flüssigkeiten. Dort erkrankten im vergangenen Jahr 680 Menschen am Krim-Kongo-hämorrhagischen Fieber, 55 von ihnen starben. Gegen diese Viren, die von Zecken in mehreren asiatischen Ländern und in Afrika herumgeschleppt werden, gibt es keine Impfung. Ebenso wenig gegen das mediterrane oder das in den USA vorkommende neuweltliche Zeckenbissfieber. Das Centrum für Reisemedizin informiert auf seiner Homepage www.crm.de über Symptome und Ratgeber. Auch im Ausland gilt: Je früher man eine krabbelnde oder saugende Zecke vom Körper pflückt, desto sicherer darf man sich fühlen.
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