HELLERSDORF Bis spätestens Februar 1997 soll das Hellersdorfer Neubaugebiet flächendeckend mit Biogut-Tonnen ausgestattet sein. Die BSR will damit den Anteil von organischen Abfällen im Hausmüll deutlich senken.In besonderer Mission sind gegenwärtig Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) in den Hellersdorfer Neubauten unterwegs: Sie übergeben den Mietern einen Sammelbehälter für Speisereste, "Bio-Boy" genannt, sowie ein Informationsheft. Mit diesen Hausbesuchen wird der "Einzug" der Biogut-Tonnen begleitet. Überall dort, wo wöchentlich mehr als 600 Liter Hausmüll anfallen, werden die Biogut-Tonnen mit einem Fassungsvermögen von 120 beziehungsweise 240 Litern aufgestellt. Die ersten grauen Tonnen mit braunem Deckel stehen bereits in der Zossener Straße, der Luckenwalder und der Kyritzer Straße.Seit Februar dieses Jahres bestückt die BSR die Ostbezirke mit Biogut-Tonnen: zunächst Weißensee, Prenzlauer Berg, Hohenschönhausen und Marzahn. In Hellersdorf soll die Aktion spätestens bis Februar 1997 abgeschlossen sein. Berlinweit können inzwischen nahezu 200 000 Haushalte ihre Speisereste extra entsorgen. 95 Prozent aller angesprochenen Mieter entschieden sich für den "Bio-Boy". Nicht wenige erinnern sich der "Specki-Tonnen" zu DDR-Zeiten. Doch dieser Vergleich behagt Rolf-Roman Karas, zuständiger BSR-Mitarbeiter, nicht. Denn die jetzigen Tonnen würden im Gegensatz zum DDR-Modell "ziemlich dicht" verschließbar und außerdem für weit mehr Abfälle, beispielsweise Laub und Blumenerde, geeignet sein, versichert er.Geleert werden die Bio-Tonnen einmal pro Woche verspricht die BSR. Kartoffelschalen, Speisereste und Kaffeesatz landen in der Kompostieranlage im brandenburgischen Schmachtenhagen. Da die dortigen Kapazität jedoch begrenzt sind, plant die BSR für 1998 die Errichtung einer eigenen Anlage in Pankow mit einer Jahreskapazität von 80 000 Tonnen. Karas verweist ungeachtet dessen auf die Vorteile: "Die Biogut-Sammlung ist kostengünstiger als die Entsorgung des Restmülls." Trotzdem gab es Probleme mit den Bio-Tonnen. "Vor allem in den Anfangsmonaten, kamen drei bis vier Beschwerden täglich. Und sicherlich gab es noch viel mehr, die sich gar nicht erst meldeten." Die Klagen betrafen eine unregelmäßige Leerung und wiederholt Geruchsbelästigungen. Für Letztere macht Karas vor allem ungünstige Müll-Standplätze verantwortlich. Viele befänden sich zu dicht vor den Fenstern.Gegenwärtig läßt die BSR spezielle Sammelfahrzeuge, die über eine Wascheinrichtung für die Biogut-Tonne verfügen werden, erproben. Möglicherweise können diese Wagen bereits im kommenden Jahr eingesetzt werden.Mit der Einführung der insgesamt 1 500 bis 2 000 Biogut-Tonnen in Hellersdorf soll erreicht werden, daß im Hausmüll künftig wesentlich weniger Speisereste und Gartenabfälle landen. Deren Anteil am Hausmüll betrug bisher im Jahresdurchschnitt fast 24 Prozent. Nach einer Analyse, die die Agrarbörse Deutschland Ost im Auftrag des Hellersdorfer Bezirksamtes durchgeführt hat, lag der der Anteil der Küchenabfälle beim Hausmüll im Dezember 1995 im Neubaugebiet bei 26,8 Prozent und im Siedlungsgebiet bei 29 Prozent. Überraschend sei für ihn, so Agrarbörsen-Mitarbeiter Alfred Oppelt, daß es in Kaulsdorf und Mahlsdorf offenkundig erheblich weniger Kompostierungsmöglichkeiten gebe als angenommen. Trotzdem beabsichtigt die BSR derzeit nicht, das Siedlungsgebiet komplett mit den Bio-Sammlern auszustatten. Doch auf Wunsch, so Karas, werden extra Tonnen aufgestellt.Stefan Richter Für Kritiken und Informationen hat die BSR eine gebührenfreie Hotline geschaltet: 0130 1077. +++
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