Kriminalität

Mehr gewalttätige Kinder und Jugendliche

Konflikte mit Worten statt Fäusten zu lösen, wird heutzutage schon an jeder Grundschule gepredigt. Nicht bei allen Kindern kommt das an. Noch schlimmer wird ...

dpa
3 Min
ARCHIV - Ein Blaulicht leuchtet auf dem Dach eines Polizeiwagens.

ARCHIV - Ein Blaulicht leuchtet auf dem Dach eines Polizeiwagens.

© David Inderlied/dpa/Symbolbild

Besonders von März bis Juli habe die Polizei eine starke Zunahme solcher Taten festgestellt. Sie spielten sich häufig in Parks und Grünanlagen wie Hasenheide, Gleisdreieck, Monbijou-Park, Treptower Park, Mauerpark, Leopoldplatz und auch in Spandau ab, sagte Slowik. Weniger hingegen an den klassischen Problemorten Alexanderplatz, Kottbusser Tor, Görlitzer Park, Warschauer Brücke und Karl-Marx-Straße. „Das müssen wir uns genau ansehen.“ Kriterien wie Wohnort, Motiv, Lebens- und Begleitumstände müssten analysiert werden.

Slowik betonte: „Was mich ganz persönlich besorgt, ist der Anstieg von Taten, an denen Kinder und Jugendliche als Täter beteiligt sind.“ Der Polizei seien 2022 bei den entsprechenden Ermittlungen 141 Kinder bis 13 Jahren aufgefallen, im Vorjahr waren es 80. Bei den Jugendlichen bis 17 Jahren waren es 369 Verdächtige, im Vorjahr hingegen 234. „Das ist schon ein deutlicher Anstieg.“

Immer wieder hätten Kinder und Jugendliche bei ihren Taten auch ein Messer dabei und setzten es ein. „Das hat leider zugenommen. Wir betrachten diese Entwicklung sehr genau“, sagte Slowik. Die Angriffe würden häufig untereinander geschehen. Oft seien es junge Menschen, die auf der Straße unterwegs seien, sich zufällig treffen würden und zusammen loszögen, ohne gezielte Unternehmung oder einen konkreten Plan im Kopf. „Sie gehen gemeinsam los, treffen auf andere Gruppen und dann gibt es Auseinandersetzungen, und eben auch unter Einsatz von Messern.“

Die Polizeichefin betonte: „Wer ein Messer mitführt, benutzt es im Zweifel leider auch. Das Eskalationspotenzial bei der Austragung von Konflikten wird durch Messer immer auf ein lebensbedrohliches Niveau gehoben. Kindern und Jugendlichen ist diese Tragweite oft nicht bewusst.“

In Deutschland können Kinder unter 14 Jahren nicht für ein Verbrechen bestraft werden. Das Gesetz spricht dann von der „Schuldunfähigkeit des Kindes“. Allerdings können sich das Jugendamt oder der Vormundschaftsrichter einschalten, den Eltern kann auch das Sorgerecht entzogen werden. Straftäter im Alter zwischen 14 und 17 Jahren gelten als Jugendliche und damit als „bedingt strafmündig“.

Mit Sorge sehe die Polizei auch das Phänomen der Respektlosigkeit in bestimmten Stadtteilen, sagte Slowik. In Neukölln hätten an Halloween Gruppen von Jugendlichen den Polizisten erklärt, sie könnten jetzt gehen, weil das ihr Revier sei. Aber auch in anderen deutschen und europäischen Großstädten etwa in Skandinavien sei die Zunahme von Gewaltdelikten und Respektlosigkeit Jugendlicher festzustellen. „Das müssen wir im Auge behalten. Wir sind dazu auch im Austausch mit den Polizeibehörden anderer großer Städte.“

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema