Mehringhof-Theater

Berliner Zärte: Was Worte nicht sagen können

Fil unterhält diesmal im Mehringhof-Theater mit seiner Show "Im Rausch der Heiterkeit" ganz allein, ohne seinen Hai Sharkey. So findet er Gelegenheit, sich mal in Marie Antoinette zu verwandeln.

Laura Wagner
3 Min
Der Künstler Fil.

Der Künstler Fil.

© Tränenpalast Lizenz

Eine ausgefeilte Bühnenshow mit aufwendigen Lichteffekten und schrillen Kostümen – all das braucht es nicht, um ein Publikum zum Lachen zu bringen. Es reicht ein Mann mit einer Gitarre. Das beweist Fil mit seiner Show „Im Rausch der Heiterkeit“ im Mehringhof-Theater. Den Handpuppenhai Sharkey hat er dieses Mal zu Hause gelassen. Und wenn Fil dann irgendwann am Abend eine weiße Perücke überzieht und in ein hellblaues Kleid schlüpft, ist das zwar nett, aber nicht unbedingt nötig. Denn seine Witze funktionieren auch so.

Mit einer ordentlichen Portion Selbstironie macht Fil sich über alle möglichen Themen her. Der Urberliner beschreibt die besondere „Berliner Zärte“ („Wir können uns mit Worten nicht so gut ausdrücken“), erzählt aus seiner Jugendzeit in den 1980er-Jahren, wo noch zugehört wurde („Manchmal hörten plötzlich alle zu“), besingt „Hotpants-Peggy“, Sinnbild für Scharen von jungen Touristinnen, die mit ihren Rollkoffern Mitte und Kreuzberg stürmen und bedauert all diejenigen, die früher „ohne Kontakt zur Außenwelt, eingepfercht mit Rauchern“ Zug fahren mussten, ganz ohne Smartphones.

Die Witze über das Älterwerden funktionieren immer wieder

Eines seiner liebsten Themen ist das Alter. Zugegeben, Witze über das Älterwerden sind nichts Neues, aber sie funktionieren. Vor allem, wenn einer so schonungslos über die altersbedingten Veränderungen spricht wie Fil. „Es fließt kein Vaginalsekret, wenn man durch die Gassen geht“, besingt er sein Leben als 47-Jähriger. Auch der eigene Körper ist nicht mehr das, was er einmal war – der Schwerkraft sei Dank –, und „die Hoden wollen zum Boden“. Schnell nimmt er jedem seine Illusionen über das jung gebliebene Selbst: „Man sagt ja immer, man ist so alt wie man sich fühlt. Das stimmt nicht. Du bist älter.“

In dem schlichten Theaterraum entsteht eine Wohnzimmeratmosphäre. In einer Ecke ist die Bar, auf der Bühne, kaum einen Meter von den Zuschauern der ersten Reihe entfernt, steht Fil in Jeans und einem verwaschenen T-Shirt. Immer griffbereit liegt für ihn ein gelbes Notizbuch. Denn was so spontan und witzig daherkommt, ist wohlüberlegt. Verliert er den Faden, rettet ihn ein Blick in das gelbes Büchlein. Muss er eine Seite umblättern und nebenbei auch noch Gitarre spielen, stockt die Musik für einen Augenblick. Das stört nicht, sondern sorgt nur für noch mehr Gejauchze.

Ein Herzensanliegen ist Fil die Bildung der Jüngeren. Er will „Geschichte erfahrbar machen“ und erzählt die Sage von Odysseus – in leicht abgewandelter Form, mit einem Pferd voll Sprengstoff und Zeus als Vater des Helden – und rappt als Marie Antoinette (in blauem Kleid und mit Perücke) über die Französische Revolution und das Klimpern der Guillotinen.

Fil: Im Rausch der Heiterkeit wieder 27.– 30. 11. und 14. 1.– 25. 1. 20 Uhr im Mehringhof-Theater, Tel.: 6915099

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