Den Menschen fehlt das Feuer. Ich glaube, dass deshalb so viele heute krank werden. Als ich anfing, in Prenzlauer Berg Schornsteine zu fegen, da rauchten auf den Dächern noch Hunderte Schornsteine, und auf den Straßen standen Pferdegespanne, beladen mit Kohlen. Wenn ich morgens aufs Dach stieg, dann sah ich überall Kollegen, wir pfiffen uns zur Begrüßung zu und wenn es Zeit für die Frühstückspause war. Es gab richtige Schornsteinfegerversammlungen auf den Dächern. Und ich fegte den ganzen Tag lang nur Schornsteine.
Heute bin ich auch Umwelt- und Energieexperte und berate die Leute, welchen Brandschutz sie brauchen. Mir gefällt das. Ich bin für ihre Sicherheit zuständig, sie vertrauen mir. Ich habe zu jedem Haus im Kiez einen Schlüssel.
Früher konnte ich über die Dächer um den ganzen Block laufen, jetzt stehen überall Zäune. Aber auch wenn ich die Stadt schon so oft von hier oben gesehen habe: Die Aussicht genieße ich bis heute. Neue Kräne kommen dazu, andere verschwinden, der Himmel, das Licht – die Stadt verändert sich ständig.
Protokoll: Anne Lena Mösken
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de