Meisterschaftsfinale

Berlin Volleys stehen gegen Friedrichshafen unter Druck

Der Überraschungsgegner kann dagegen befreit aufspielen.

Karin Bühler
4 Min
Orange gegen Blau: Im Pokalfinale ging auch der zweite Titel dieser Saison an den VfB Friedrichshafen. Jetzt kämpfen die BR Volleys  um den dritten.

Orange gegen Blau: Im Pokalfinale ging auch der zweite Titel dieser Saison an den VfB Friedrichshafen. Jetzt kämpfen die BR Volleys  um den dritten.

© imago/Sebastian Wells

Ein Moment, zwei Männer, zwei Gedanken. Als Berlins Kapitän Robert Kromm am Donnerstagabend gegen dreiviertelzehn den letzten Ball im vierten Satz ins Volleyballnetz haute und damit im entscheidenden Halbfinal-Playoff gegen Frankfurt den Tiebreak besiegelte, stand Berlins Manager Kaweh Niroomand entsetzt im Kabinengang der Max-Schmeling-Halle: „Ich dachte, wenn wir den vierten Satz verlieren, geht das in die Hose,“ sagte er.

Derweil saß Friedrichhafens Trainer Vital Heynen ähnlich entsetzt am Bodensee vor seinem Bildschirm mit dem Livestream aus der Berliner Halle. „Ich hatte auf einmal Angst, dass ich die ganze Nacht aufbleiben muss und noch eine Riesenarbeit vor mir habe, denn ich hatte meine Mannschaft für Freitag 14 Uhr zur Videobesprechung eingeladen – und mich nur auf Berlin als Finalgegner vorbereitet.“

Aber dann kam es doch wie erwartet. „Die Mannschaft hat sich noch mal herausgerissen“, sagte Niroomand. „Wir haben uns mit Routine und Cleverness durchgewurstelt.“ Der Meister besiegte Frankfurt 3:2. Deshalb lautet die Finalpaarung um die deutsche Volleyball-Meisterschaft so wie in den vier Jahren zuvor: VfB Friedrichshafen gegen die Berlin Volleys. Die Serie beginnt am Sonntag (14.30 Uhr, sportdeutschland.tv) am Bodensee.

Bereits vier Siege gegen Berlin

Es ist das gleiche Duell wie zuletzt, und doch ist Vieles anders. Die Belastung der BR Volleys zum Beispiel, die in den vergangenen neun Pflichtspielen fünfmal in den Tiebreak mussten. Der VfB schied in der Champions League Ende Januar aus, Düren besiegte er im Halbfinale in zwei Partien. „Wir sind frisch“, sagt Heynen, „ob Berlin frisch ist, weiß ich nicht.“ Niroomand findet: „Friedrichshafen ist körperlich frischer, dafür ist unsere Mannschaft im Spielrhythmus.“

Anders ist auch die Länge der Playoff-Serie. Weil die Volleys am 29. /30. April in Rom das Final Four der Champions League bestreiten, wurden aus maximal fünf Begegnungen maximal drei. Das zweite Finalspiel findet am 3. Mai in Berlin statt, eine mögliche dritte Partie am 7. Mai in Friedrichshafen. „Es ist schade, dass wir das nicht vorher besser geplant haben“, sagt Heynen, „ein Finale muss man eigentlich best-of-five spielen. Andererseits ist es eine große Sache, dass Berlin das Final Four erreicht hat.“

Anders als sonst ist auch die Bilanz im Verlauf der Saison. Der VfB Friedrichshafen, der sich nach dem Abschied von Trainer Stelian Moculescu eigentlich erst mit dem Neuaufbau seines Teams beschäftigen wollte, besiegte Berlin bisher viermal und holte sich neben zwei Siegen in der Bundesliga-Hauptrunde auch den Supercup-Titel sowie den deutschen Pokal.

Friedrichshafen rasant an die Spitze

Das hat die Berliner zum Nachdenken gebracht. Sie sind bestens aufgestellt, aber es droht ihnen dennoch eine titellose Saison. Gegen Friedrichshafen zeigten sie bisher nicht diese Konsequenz, die ihnen in der Champions League und gegen Frankfurt zum Erfolg verhalf. Die Vorteile in Reichweite und Athletik ihrer groß gewachsenen Spieler wie Vigrass (2,05 Meter), Okolic (2,05), Kromm (2,12) oder Carroll (2,06) halfen ihnen nicht viel gegen die Gewandtheit von Friedrichshafens kleineren Spielern wie Mustedanovic (1,95), Protopsaltis (1,85) Sossenheimer (1,93) oder Rousseaux (1,98). „Die werfen oder lobben den Ball einfach. Athletische Gegner wie Dynamo Moskau kommen unseren Blockspielern mehr entgegen als wenn sie Leuten gegenüberstehen, die ihren Abschlag auf deren Ellbogenhöhe haben“, sagt Niroomand.

Diagonalangreifer Paul Carroll sieht in der Extraklasse von Friedrichshafens Zuspieler Simon Tischer einen Grund für Berlins bisherige Schwierigkeiten. „Er ist verletzungsfrei durch die Saison gekommen und verteilt die Bälle noch besser als ohnehin“, findet Carroll.

Beim VfB Friedrichshafen hat dagegen niemand erwartet, dass die Mannschaft sich so schnell entwickelt. Jetzt hat sie die Chance, alle drei deutschen Titel zu gewinnen. Für das Team ist die Meisterschaft wichtig geworden. Trainer Heynen erläutert: „Wenn mir vor der Saison jemand gesagt hätte, wir gewinnen den Pokal und Berlin die Meisterschaft, dann wäre ich zufrieden gewesen. Nun nicht mehr.“

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema