MARZAHN/HELLERSDORF Hochbetrieb herrscht derzeit auf den Meldestellen des Landeseinwohneramtes. Mehrere Tausend Marzahner und Hellersdorfer haben noch immer keine gültigen Ausweise.Mittwoch abend 18 Uhr: Der Warteraum am Kummerower Ring 80 ist brechend voll. Dutzende Hellersdorfer drängeln sich in der Meldestelle 71 des Landeseinwohneramtes. Die Schlange zieht sich quer durch das Gebäude. Auch drei Wochen nach Ablauf der Gültigkeit für DDR-Personaldokumente dreht sich hier weiterhin alles um den "Blauen"."Das ist der blanke Streß", stöhnt Sylvia Gemsa, amtierende Leiterin der Meldestelle. Die Bilanz des Ansturms: 260 bundesdeutsche Ausweise und Reisesepässe wurden bis 19.30 Uhr ausgegeben und - rund 180 Anträge auf neue Personaldokumente entgegengenommen. Letzteres überrascht selbst die Mitarbeiter der Einrichtung. Trotz ständiger Appelle hat offenbar erst jetzt der Endspurt auf die neuen Papiere eingesetzt. Die Begründungen für das zu späte Erscheinen sind laut Sylvia Gemsa immer wieder gleich: "Ich hatte bisher keine Zeit."Was sich am Kummerower Ring abspielt, ist kein Einzelfall. In Berlin hatten zu Jahresbeginn rund 16 000 Bürger keine gültigen Papiere mehr, sagt Peter Knief, zuständiger Abteilungsleiter im Landeseinwohneramt. Etwa jeder Fünfte wohnt in Marzahn oder Hellersdorf.Mit genauen Zahlen kann Wolfgang Rühl, zuständiger Amtsrat für die beiden Bezirke, aufwarten. Keine Strafen1 700 Säumige sind es in Marzahn, rund 1 400 in Hellersdorf. Mit Strafen müssen die Nachzügler nicht rechnen - jedenfalls vorläufig nicht. Denn so Rühl: "Wir sind interessiert, daß alle Bürger ein gültiges Dokument besitzen." Kritisch könnte es ab Anfang Juni werden. Wer bis dahin keinen Antrag eingereicht hat, muß mit Bußgeldforderungen von bis zu 1 000 Mark rechnen.Kein Vergleich zu den zehn Mark die jetzt anfallen. Jeder Antragsteller, so Sylvia Gemsa, wird zunächst mit einem vorläufigen Personalausweis ausgestattet. Vorausgesetzt, Geburts- und Heiratsurkunde und ein Profilpaßbild liegen vor. Lange FristenDie Wartezeit auf das "reguläre" Dokument - zum gleichen Preis - liegen nach Angaben Rühls bei etwa sechs Wochen, bei Pässen (Kostenpunkt 15 Mark und zwei Paßbilder) sind es sogar acht bis zehn Wochen. Nostalgiker beruhigt der Fachmann: Der blaue Personalausweis oder Reisepaß mit DDR-Emblem geht nicht verloren - er kann ungültig gestempelt wieder mit nach Hause genommen werden. +++
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