Bei einer Messerstecherei in Berlin-Gesundbrunnen ist in der Nacht zu Dienstag ein Mann getötet worden. Das bestätigte die Polizei der Berliner Zeitung am Morgen. Nach ersten Erkenntnissen gerieten gegen 2.25 Uhr in der Koloniestraße mehrere Männer in eine Auseinandersetzung, bei der mehrere Beteiligte Stichverletzungen erlitten.
Einer der Männer, dessen Identität noch unklar sei, sei in einem Krankenhaus gegen 4 Uhr seinen Verletzungen erlegen, wie eine Polizeisprecherin sagte. Darüber hinaus gibt es mindestens drei Verletzte. Einer von ihnen soll ebenfalls in Lebensgefahr schweben.
Messerstecherei in Berlin-Gesundbrunnen: Drei Festnahmen
Nach dem Vorfall war ein Teil der beteiligten Personen zunächst in Richtung Osloer Straße geflüchtet. Die Polizei konnte die mutmaßlichen Täter wenig später stellen und festnehmen. Bei den Festgenommenen handelt es sich um Männer im Alter von 39, 40 und 42 Jahren. Nach Informationen der Berliner Zeitung haben sie die indische Staatsbürgerschaft.
Über die genauen Hintergründe der Auseinandersetzung konnte die Polizei noch keine Angaben machen. Wie es aus Polizeikreisen heißt, war der Streit in einer Wohnung ausgebrochen. Er verlagerte sich dann auf die Straße. Eine Mordkommission und die Staatsanwaltschaft haben die weiteren Ermittlungen übernommen.
Das Haus, in dem der Streit begann, ist heruntergekommen. Die Fenster im Treppenhaus sind mit Brettern verrammelt. Fast alle Wohnungstüren haben Einbruchsspuren und wurden chaotisch mit neuem Holz geflickt. Eine Haustür gibt es nicht mehr. Aus den Fenstern hängen Bettdecken und Teppiche zum Trocknen. Es riecht nach Urin.
Vor dem Haus in der Koloniestraße steht eine lange Reihe Fahrräder des Essenslieferdienstes Wolt. Seit Corona seien vermehrt Menschen aus Indien und Pakistan in das Haus gezogen, die für die Lieferdienste arbeiten würden, sagt der Hausmeister. „Das sind meistens Studenten.“ Er wundere sich, warum es unter ihnen Ärger gegeben habe: „Die arbeiten hart und machen eigentlich keine Probleme.“
Die Besitzverhältnisse des Hauses sind kaum zu ermitteln. Eine Liste mit Personen, die in der Wohnung leben, in der es zum gewaltsamen Streit kam, konnte der Hausmeister der Polizei nicht geben, denn sie existiert nicht. Bis zu zehn Menschen kommen in einer Wohnung unter. Die Wohnungen gehören verschiedenen Eigentümern, einige davon wohnen im Ausland. „Die kümmern sich gar nicht, wenn es hier Probleme gibt“, sagt der Hausmeister.
Mitarbeiter der Kriminaltechnik der Polizei sicherten noch am Mittag Spuren in der Wohnung.
© Per Gülzow
Die Koloniestraße ist bekannt für ihre Probleme. „Das ist die dunkelste Straße im Wedding“, meint ein Dönerverkäufer aus der Gegend. Es gebe Drogenhandel und Gewalt. „Die meisten Leute schauen gar nicht mehr raus, wenn es eine Schlägerei gibt“, sagt auch der Hausmeister. Er habe ständig mit Schäden im Haus zu tun.
Berliner Polizei registriert mehr Messerangriffe
„Wir erleben seit Jahren eine steigende Bereitschaft, Messer zu körperlichen Auseinandersetzungen mitzunehmen und diese auch gezielt einzusetzen, um andere schwer zu verletzen“, teilt die Gewerkschaft der Polizei zu der Messerstecherei mit. Es sei aber Populismus, flächendeckende Messerverbote zu fordern. „Wichtiger wäre es, zu fragen, warum Menschen bewaffnet aus dem Haus gehen, und Maßnahmen zu ergreifen, um das zu verhindern.“
Die Zahl der Taten, bei denen ein Messer als Waffe eingesetzt wird, steigt seit einigen Jahren. Laut der Berliner Kriminalstatistik wurden im Jahr 2022 insgesamt 3317 Messerangriffe gezählt, bei denen gedroht oder zugestochen wurde. Im Jahr zuvor waren es 2777.
Mehrere Rettungswagen stehen in der Nacht zu Dienstag in der Koloniestraße in Berlin-Gesundbrunnen.
© Morris Pudwell
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