Mexiko

Nach dem Mord an einer Redakteurin gibt eine Zeitung auf

Etwa 1200 Journalisten sind in den vergangenen zwanzig Jahren ermordet worden.

Susanne Lenz
3 Min
Eine Demonstrantin protestiert gegen den Mord an Miroslava Breach Velducea

Eine Demonstrantin protestiert gegen den Mord an Miroslava Breach Velducea

© AP

In vielen Gegenden auf dieser Welt ist Journalist ein Beruf, mit dem man sein Leben aufs Spiel setzt. Etwa 1200 Reporter, Redakteure und Blogger sind in den vergangenen zwanzig Jahren ermordet worden. Von den meisten der tödlichen Attacken hört man hierzulande nichts. Sie passieren weit weg, in Ländern, die die Öffentlichkeit für unwichtig hält, wenn dort nicht gerade eine Katastrophe passiert, ein Krieg ausbricht oder gewählt wird. Länder wie die Philippinen, der Südsudan, der Irak oder Jemen, auch Mexiko.

Kaum Aufklärung

Die Gründe für die Morde ähneln sich: korrupte Regierungen, organisiertes Verbrechen, kombiniert oft mit einer Kultur der Straflosigkeit. Journalistenmorde werden erst gar nicht oder nur halbherzig untersucht, geschweige denn aufgeklärt und bestraft.

Am 23. März wurde die mexikanische Journalistin Miroslava Breach Velducea in ihrem Auto vor ihrem Haus erschossen. Sie wollte ihren Sohn zur Schule bringen, er blieb unverletzt. Miroslava Breach Velducea war 54 Jahre alt und arbeitete für die Lokalzeitung Norte de Ciudad Juarez, berichtete immer wieder über die Verbindungen zwischen dem organisierten Verbrechen und Politikern im Bundesstaat Chihuahua.

Zettel am Tatort

Ihre Artikel erschienen auch in der Hauptstadtzeitung La Jornada. „Dafür, dass du ein Großmaul bist“, stand auf einem Zettel, den die Mörder am Tatort zurückließen. Nun hat der Chefredakteur von Norte de Ciudad Juarez die Zeitung eingestellt.

Auf der Titelseite schrieb Oscar Cantú Murguía einen Abschiedsbrief an die Leser: „Adios!“ Der Tod seiner Kollegin habe ihn darüber nachdenken lassen, unter welchen Umständen Journalisten arbeiten. Das hohe Risiko, das sie eingehen, sei die hauptsächliche Bedingung.

Der Preis ist zu hoch

„Es gibt weder die Garantien noch die Sicherheit, um kritischen Journalismus zu machen, einen Journalismus, der ein Gegengewicht bildet. (...) Alles hat seinen Preis, aber wenn dieser das Leben ist, bin ich nicht bereit, dass noch einer meiner Kollegen ihn bezahlt.“ Das mag pathetisch klingen. Es ist die Wahrheit. Miroslava Breach Velducea war die dritte Journalistin, die im März in Mexiko ermordet wurde.

Die Bösen haben gewonnen, das ist das Bittere an Cantú Murguías Entscheidung. Sie bringen die Presse zum Schweigen und schaden damit der Gesellschaft. Es gibt nun eine ganze Zeitung weniger, die Verbrecher im Auge behält. Von Berlin aus lässt sich das leicht beklagen. Cantú Murguías Abschiedsbrief ist auch eine Erinnerung daran, dass Heldenmut nicht selbstverständlich ist.  

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