Michael J. Fox kämpft heute gegen Parkinson. Aber er redet noch gerne über "Zurück in die Zukunft"

Begrenzt heiter

Frank Siering
5 Min

LOS ANGELES Michael J. Fox sitzt auf einem Sofa und schaukelt mit dem Oberkörper vor und zurück. Sein Kopf dreht sich oftmals zuckend zur Seite. Wie ein nervöser Jockey kurz vor dem Start eines großen Derbys wirkt der schmale, 1,62 Meter große Mann. Er versucht seine Bewegungen zu kontrollieren. Er lächelt, wohlwissend, dass er auch an diesem Tag beim Kampf um die Kontrolle über seinen Körper erneut Kompromisse eingehen muss.Michael J. Fox lebt seit 19 Jahren mit der Parkinson-Krankheit. Vor zehn Jahren hat er deswegen die Entscheidung treffen müssen, nicht mehr als Schauspieler zu arbeiten. Jeder Tag beginnt mit dem Einnehmen von "vielen bunten Medikamenten", wie er es beschreibt. Aber immerhin: "Jeder Tag ist ein neuer Tag." Und die Routine gibt ihm Halt. Zusammen mit seiner Frau Tracy Pollan und den drei Töchtern Aquinnah, Schuyler und Seme wohnt er an der Fifth Avenue in New York mit Blick auf den Central Park. Sein Sohn Sam studiert an der Stanford University in Kalifornien.In seinem Haus ist zwei Stockwerke unter der Wohnung auch sein Büro untergebracht. Von hier aus steuert er mit engen Vertrauten die Michael J. Fox Foundation for Parkinson's Research, seine Stiftung zur Erforschung der Parkinson-Erkrankung. Das ist eine gemeinnützige Organisation, die mittlerweile mehr als 200 Millionen Dollar gesammelt hat. "Natürlich würden wir gerne ein Heilmittel finden. Aber wir müssen auf dem Weg dorthin viele andere Hürden aus dem Weg räumen", sagt Fox.Die Arbeit für seine Stiftung nimmt den heute 49-jährigen US-Kanadier die meiste Zeit in Anspruch. Aber zum 25-jährigen Jubiläum jenes Kinoknüllers, der ihn einst vom Nobody zum Megastar katapultierte, macht er gern eine Pause, um über vergangene Jahre zu sprechen. In der Film-Trilogie "Zurück in die Zukunft" von Robert Zemeckis unternimmt Michael J. Fox als Marty McFly Zeitreisen in die Vergangenheit. "Ich rede gerne über Marty", sagt er, "schließlich hat er mein Leben verändert. Ich bin nur manchmal erstaunt, wie viel mehr die Fans noch immer über die Eigenschaften und Fähigkeiten meiner Figur wissen als ich selbst."Fox, der als junger Mann eine Telefonzelle auf dem Sunset Boulevard als sein "Office" deklarierte, weil er sich in seiner Mietwohnung keinen Telefonanschluss leisten konnte, war immer schon ein quirliger Macher. "Als ich die Rolle in -€öBack to the Future' bekam, drehte ich gleichzeitig meine Comedy-Serie -€öFamilienbande'. Ich arbeitete 18 bis 22 Stunden am Tag', erinnert er sich. Diese Arbeitswut hat er sich bis heute erhalten, "so gut es eben geht mit der Krankheit". Er weiß, dass ihm Grenzen gesteckt sind, die er früher ignorieren konnte. "Ich sage meiner Frau heute auch schon mal, dass ich gewisse Dinge nicht machen kann. Und sie erwidert dann, dass das nichts mit Parkinson, sondern mit meinem Alter zu tun hat."Früher zappte er sich weg vom Bildschirm, wenn er sein gesundes Alter Ego entdeckte. "Heute macht es mir nichts mehr aus, mich gesund und jung im Fernsehen zu sehen. Da bleibe ich dann auch mal zehn bis 15 Minuten hängen", erzählt er. Und die Krankheit habe auch ihre guten Seiten. "Ich bin durch Parkinson gut mit Muhamad Ali befreundet. Er ist ein großartiger Kämpfer; ich habe ihn noch niemals negativ oder deprimiert erlebt."Auch in Hollywood ist Fox trotz seiner Film-Abstinenz noch immer ein strahlender Stern. Als er unlängst bei den Scream-Awards, einer Publikums-Preisverleihung, für einen kurzen Spot noch einmal in die Rolle des McFly schlüpfte, geriet die Menge im Saal außer Rand und Band. "Es ist schön zu wissen, dass meine Kollegen und meine Fans mich noch nicht ganz vergessen haben", sagt er. Sogar für eine Gastrolle in der Serie "The Good Wife" ließ sich Fox überreden. "Mir gefällt die Show. Und da die Produzenten wussten, was sie sich mit mir einladen, habe ich zugesagt", so Fox.Michael J. Fox, der für sein Engagement in der Parkinson-Forschung im März die Ehrendoktorwürde des Karolinska-Instituts in Schweden erhielt, ist sehr realistisch, wenn es um seinen Gesundheitszustand geht. "Ich weiß, dass mein Leben heute anders ist als vor 25 Jahren. Ich weiß, dass ich eine Krankheit habe, für die es noch keine Heilung gibt. Aber deshalb muss ich mich nicht vor der Welt verstecken. Ich kann viel Gutes bewirken. Ich kann anderen helfen." Vielleicht ist es genau dieses Mantra, das Michael J. Fox so unvergessen macht in Hollywood. Der sympathische junge Mann mit dem Teenager-Gesicht von einst hat noch heute ein Funkeln in den Augen, das ansteckt.Als ihn neulich ein kleines Kind in der Schule seiner Tochter aufforderte, doch bitte endlich stillzusitzen während einer Schulveranstaltung, weil auch sie stillsitzen müsse, konnte Fox einen Lachanfall nicht unterdrücken. "Ich werde es versuchen", flüsterte er der Siebenjährigen nach einer Weile endlich zu, mit Lachtränen in den Augen. Und ohne die verdammte Krankheit auch nur mit einem Wort zu erwähnen.------------------------------Foto: Die Zeitmaschine, mit der es "Zurück in die Zukunft" ging, hat Doc Brown (Christopher Lloyd, l.) in dieses Auto gebaut. Marty McFly (Michael J. Fox) lässt sich das Wunderwerk erklären. Vor 25 Jahren kam der Film in die Kinos.Foto: Michael J. Fox vor wenigen Tagen in Los Angeles

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