Microsoft

Wolkige Geschäftsaussichten mit der Datencloud

Für Microsoft-Chef Satya Nadella stehen Dienste aus der Cloud ganz oben auf der Agenda. Für Vertreter von Politik und Wirtschaft in Deutschland ebenfalls. Mit einer „deutschen Cloud“ wollen Microsoft und die Telekom nun die anhaltenden Sicherheitsbedenken ausräumen.

Sebastian Wolff
3 Min
Will mit Cloud-Diensten mehr verdienen: Microsoft-Chef Satya Nadella.

Will mit Cloud-Diensten mehr verdienen: Microsoft-Chef Satya Nadella.

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Das Atrium im Berliner Microsoft-Haus Unter den Linden war brechend voll. Konzernchef Satya Nadella war gekommen – aber nicht um, wie bei derartigen Besuchen üblich, eine freundliche, unverbindliche Rede zu halten. Nadella hatte tatsächlich etwas zu sagen. Der Chef des weltgrößten Software-Unternehmens kündigte an, zwei eigene Cloud-Rechenzentren in Deutschland einzurichten, um dem erhöhten Bedürfnis nach Datensicherheit in Deutschland Rechnung zu tragen.

Microsoft begibt sich damit auf die Spuren von Amazon und Oracle, die bereits Rechenzentren in Deutschland betreiben. Doch die sind immer noch eine Ausnahme. Bislang müssen deutsche Unternehmen, Organisationen und Privatleute, wenn sie große Datenmengen im Internet auf einer sogenannten Cloud – also einer virtuellen Datenwolke – speichern wollen, meist hinnehmen, dass ihre Daten irgendwo auf der Welt gelagert werden, mit hoher Wahrscheinlichkeit in den USA.

Unmengen von hochsensiblen Daten und wertvollen Informationen aus Deutschland liegen also auf Servern in einem Land, das es mit dem Datenschutz nicht immer sehr genau nimmt, wie es der NSA-Skandal belegt, der massive Überwachungspraktiken der Amerikaner auch in Deutschland zutage förderte.

T-Systems soll datenzugang überwachen

Doch schon bald müssen sich deutsche Microsoft-Kunden dank der neuen deutschen Cloud-Rechenzentren keine Sorgen mehr um ihre Daten machen, verspricht Nadella: „Die Kundendaten bleiben damit in Deutschland.“ Der Datenaustausch zwischen den zwei Rechenzentren soll über ein privates, vom Internet getrenntes Netzwerk stattfinden, womit der Verbleib der Daten in Deutschland gesichert sei.

Den Zugang zu den Daten soll die Deutsche Telekom über ihre Tochter T-Systems als Treuhänder überwachen. T-Systems ist dafür verantwortlich, dass Kundendaten nicht an Dritte weitergegeben werden, es sei denn, der Kunde erteilt dazu ausdrücklich die Erlaubnis oder es liegt eine richterliche Anordnung vor. Ohne Zustimmung des Kunden oder von T-Systems hat auch Microsoft keinen Zugang zu Kundendaten. Für Wartungsarbeiten oder Verbesserungen erhält Microsoft falls erforderlich einen zeitlich begrenzten Zugriff unter Aufsicht des Treuhänders.

Die beiden Rechenzentren werden in Magdeburg und Frankfurt am Main stehen und in der zweiten Jahreshälfte 2016 ihren Dienst aufnehmen. Der US-Konzern will damit vor allem Unternehmen und Organisationen als Kunden gewinnen, die in datensensiblen Bereichen wie dem Finanz- und Gesundheitssektor tätig sind. Die neue Sicherheit hat allerdings auch ihren Preis: Microsoft-Kunden, die ihre Daten künftig in den deutschen Rechenzentren lagern wollen, werden einen Aufpreis bezahlen müssen.

Grenzenlose Wachstumsperspektiven

Im Cloud-Geschäft sieht Nadella die Zukunft von Microsoft. Denn bei den klassischen Software -Produkten, allen voran den PC-Betriebssystemen der Windows-Serie, stößt der Konzern auf Wachstumsgrenzen – zumal ihm Konkurrent Apple, der auf ein eigenes Betriebssystem setzt, in diesem Bereich immer mehr Kunden abspenstig macht.

Bei den Cloud-Diensten scheinen die Wachstumsperspektiven dagegen grenzenlos. Denn das Interesse der Nutzer ist gewaltig: Nach Informationen des Branchenverbandes Bitkom haben 2014 in Deutschland bereits 44 Prozent aller Unternehmen Cloud-Dienste genutzt. Allerdings ist auch der Wettbewerb unter den Anbietern groß. Neben Microsoft, Amazon und Oracle buhlen unter anderem auch Salesforce – das ebenfalls ein Rechenzentrum in Deutschland eröffnen will – und der deutsche SAP-Konzern um Kundschaft im Cloud-Markt.

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