Mieter retten Deutschland vor dem Schlimmsten

Ruprecht Hammerschmidt
3 Min

Wegen des Milliardendefizits hat Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger inzwischen den Notstand ausgerufen. Der US-Staat war zuvor für sich genommen die achtgrößte Volkswirtschaft der Erde und leidet nun stark unter der Finanzkrise. Vor allem der Immobilienpreisverfall macht den Bürgern zu schaffen. In Zeiten dauerhaft niedriger Zinsen hatten viele Banken mit Lock-Krediten Menschen mit geringem Einkommen zum Hauskauf animiert, die sich Eigentum eigentlich gar nicht leisten konnten. Sie griffen gerne zu, auch weil es vergleichsweise wenig Angebote für günstige Mietwohnungen gibt. Als die Zinsen stiegen, platzte die Immobilienblase und gerade in Kalifornien stehen nun viele Eigenheime zum Verkauf.Diese dramatische Situation ist Deutschland erspart geblieben. Hierzulande verlaufen die Preise für Wohnimmobilien in den vergangenen Jahren stabil. Eine Entwicklung, die nicht zuletzt dem Mietmarkt geschuldet ist. Knapp sechs von zehn Haushalten wohnen zur Miete. Eine im internationalen Vergleich sehr hohe Quote. Unter den Europäern leben nur die Schweizer noch häufiger in Mietobjekten. Für große Ausschläge bei Immobilienpreisen fehle in Deutschland schlicht die Nachfrage, stellen der Deutsche Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung (DV) sowie die Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung (Gif) fest. Ihr Gutachten betrachtet erstmals die Immobilienmärkte aus gesamtwirtschaftlicher Sicht.Grund für die Bescheidenheit der Deutschen sind erschwingliche Alternativen auf dem Mietmarkt. In Ländern, in denen günstiger Wohnraum lediglich als Sozialwohnung zu bekommen ist, müssen viele Bürger wohl oder übel Eigentum kaufen. Sie verdienen dafür zwar eigentlich nicht genug, aber zu viel, um einen Anspruch auf geförderte Wohnungen zu haben. Wer dort etwas von privater Hand mieten möchte, muss jedoch tief in die Tasche greifen. In Zeiten günstiger Zinsen erschien ein Hauskredit auf Dauer günstiger.Auf solche Verzweiflungs-Kredite mussten sich die Deutschen nicht einlassen. Wohnen zur Miete ist auch für die Mittelschicht attraktiv, und das trägt zur Stabilisierung des Immobilienmarktes bei, folgern die Autoren des Gutachtens. Insgesamt geben die Haushalte für Miete im Schnitt ein Drittel ihres Einkommens aus. Große Kostensteigerungen verursachten zuletzt die Energiepreise. Kaltmieten blieben dagegen stabil. Deutschlandweit kletterten sie seit 1991 bei Bestandswohnungen ungefähr so stark wie die Verbraucherpreise.Jedoch zeichnet sich in manchen Städten bereits ein Mangel an Mietwohnungen ab. Um den Bedarf zu decken, müssten bis zum Jahr 2020 jährlich 250 000 Einheiten neu gebaut werden. Tatsächlich waren es 2008 aber nur 176 000 Wohnungen und damit zwei Drittel weniger als im Boomjahr 1995. Erforderlich ist deshalb eine staatliche Neubauförderung für erschwinglichen Wohnraum. Sonst könnten auch bald hierzulande Mieter gezwungen sein, Kredite für Wohnungen aufzunehmen, die sie dann nicht mehr abzahlen können.------------------------------Grafik: Entwicklung der Wohnimmobilienpreise

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