Migranten kritisieren Seehofer

"Fakten verdreht"

Matthias Thieme
1 Min

Berlin. Rund 100 Organisationen von Migranten, die dem Paritätischen Gesamtverband angehören, haben dem Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) einen Brief mit scharfer Kritik an seinen Äußerungen in der Integrationsdebatte geschrieben. "Ihre Aussagen befeuern eine rückwärtsgewandte Debatte, die wir schon lange überwunden geglaubt hatten", heißt es in dem Brief, der der Berliner Zeitung vorliegt.Mit Bestürzung habe man Seehofers Aussagen zur Zuwanderungs- und Integrationspolitik aufgenommen. "Fakten werden verdreht und Stimmungen geschürt, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt ernsthaft gefährden", kritisieren die Verbände. Die aktuelle Diskussion zeuge von mangelndem Respekt gegenüber den Migranten sowie allen weltoffenen und toleranten Bürgern, "die gemeinsam Tag für Tag diese Gesellschaft engagiert und konstruktiv gestalten"."Wir verurteilen diese Art von Populismus aufs schärfste", heißt es in dem Brief. Seehofer solle schnellstmöglich zu der gebotenen Sachlichkeit zurückzukehren und die Stigmatisierung von ganzen Personengruppen aufgrund ihrer nationalen, kulturellen, oder religiösen Zugehörigkeit vermeiden. Die deutsche Gesellschaft sei beim Thema Integration im Alltag viel fortschrittlicher als die deutsche Integrationspolitik, so die Migrantenverbände. "Es ist die Politik, die ihre Hausaufgaben bislang nicht gemacht hat." Seehofer solle die Potenziale von Bürgern mit Migrationshintergrund als Chance, nicht als Bedrohung sehen, denn: "Integration ist keine Einbahnstraße."

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