BERLIN, 5. November. Millionen Anleger, die einen sogenannten Vertrag zur privaten Riester-Rente abgeschlossen haben, droht der komplette Verlust der staatlichen Zulagen für das Jahr 2002. Nach Angaben der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), wurde bis September dieses Jahres erst für 2,1 Millionen Verträge die staatliche Förderung beantragt. Abgeschlossen wurden bis Ende 2002 aber gut fünf Millionen Verträge. "Damit fehlen noch die Anträge für 2,9 Millionen Verträge", sagte der Rentenexperte der BfA, Walter Glanz, der Berliner Zeitung. Nur wer bis zum Ende dieses Jahres die Förderung beantragt, kommt allerdings noch in den Genuss der staatlichen Zulage für die im Jahr 2002 geleisteten Beiträge. Danach verfällt der Anspruch auf die Gelder endgültig. "Wer keinen Antrag auf Zulage stellt, verschenkt damit bares Geld", sagte Glanz. Immerhin handelt es sich um eine Grundzulage von 38 Euro für jeden Erwachsenen und eine Kinderzulage von 46 Euro pro Kind. Eine Familie mit zwei Kindern, die vor Ende 2002 einen Riester-Vertrag abgeschlossen hat, würde somit auf 168 Euro verzichten, sofern sie bis Jahresende keinen Antrag auf staatliche Zulage stellt. Da die Beiträge zur Riester-Rente auch steuerlich absetzbar sind, vermutet BfA-Experte Glanz, dass viele Sparer die Beiträge lediglich in ihrer Steuererklärung aufführen und damit annehmen, dass sie damit auch gleichzeitig die staatliche Zulage beantragt haben. "Das ist aber ein Irrtum", sagt Glanz. "Die staatliche Zulage muss gesondert beantragt werden." Für die Beantragung der Zulage halten die Anbieter, also die Banken und Versicherer, bei denen die Kunden ihre Verträge abgeschlossen haben, entsprechende Formulare bereit. Im Regelfall haben die Institute den Sparern diese Formulare auch bereits zugeschickt. Wer das Formular nicht mehr auffindet oder möglicherweise doch nicht erhalten hat, sollte sich deshalb dringend an seinen Anbieter wenden, rät Glanz. Der BfA-Experte weist im Übrigen darauf hin, dass auch für das Jahr 2003 die Zulagen längst beantragt werden können. "Je früher man den Antrag stellt, desto schneller bekommt man das Geld - und das wirkt sich auch auf die Rendite aus", so Glanz. Doch viele Anleger fürchten offenbar den bürokratischen Aufwand für die Anträge. Immerhin gibt es dafür rund ein Dutzend verschiedene Formulare. Mitschuld daran, dass den Kunden die Zulagen für 2002 durch die Lappen gehen könnten, sind aber möglicherweise auch die Anbieter. Denn für sie bedeuten die Anträge auf Zulage nur lästige Mehrarbeit, die ihnen keine zusätzlichen Erträge bringt. Deshalb, so vermutet BfA-Experte Glanz, waren sie bislang nicht besonders aktiv bei der Aufklärung ihrer Kunden. Aufklärungskampagne geplantDoch die Anbieter geloben Besserung: In den letzten Wochen des Jahres wollen sie ihre Kunden beim Thema Riester-Rente nun noch einmal auf die Sprünge helfen. So plant zum Beispiel der Versicherungskonzern Allianz, mit rund 660 000 Verträgen Marktführer bei der Riester-Rente, eine breit angelegte Aufklärungskampagne. Ab dem kommenden Jahr übrigens wird die Gewährung der Zulagen vereinfacht: Dann kann ein Dauerzulagenantrag gestellt werden, der bis zum Ablauf des Vertrages gültig ist. ------------------------------Foto: Wer die Zulagen für die Riester-Rente nicht beantragt, verschenkt bares Geld.
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