Oft wurde in der jüngsten Zeit den Polen von Politikern und Medien in Berlin und Brüssel vorgeworfen, sich nicht angemessen in der Flüchtlingskrise zu engagieren, ja sogar fremdenfeindlich zu sein. In der Tat hat Polen bisher nur wenige Flüchtlinge aufgenommen. Weite Teile der Bevölkerung und des politischen Establishments lehnen es ab, Menschen aus Syrien im eigenen Land Hilfe zu leisten.
Das Thema Flüchtlinge, und in diesem Zusammenhang Islam und Islamismus, werden in Warschau derzeit besonders heiß diskutiert, weil am Sonntag der Sejm, das polnische Parlament, neu gewählt wird. Polens bekannteste Flüchtlingshelferin, Miriam Shaded, kandidiert für die EU-skeptische Rechtspartei Korwin (Koalition der Erneuerung der Republik Freiheit und Hoffnung) mit ihrem schrillen und frauenfeindlichen Vorsitzenden Janusz Korwin-Mikke, der als Abgeordneter im Europaparlament auch schon mal den Hitlergruß zeigte.
Kandidatin mit Pegida-Rhetorik
Warum kandidiert eine 29-jährige Flüchtlingshelferin für eine Partei, deren Rhetorik in Bezug auf Flüchtlinge sich kaum von der von Pegida unterscheidet? Shaded, die Mutter Polin, der Vater ein aus Syrien stammender evangelischer Pastor, ist IT-Unternehmerin und eine engagierte Christin. Mithilfe ihrer Stiftung Ester und in Zusammenarbeit mit der polnischen Regierung schaffte sie es, im Juni 60 syrische Familien nach Polen zu holen – christliche Familien. Christen seien die Menschengruppe, die im Nahen Osten den größten Gefahren ausgesetzt sei, wird Shaded nicht müde zu betonen – und zugleich wiederholt sie immer wieder, der Islam sei eine Gefahr für Europa.
Flüchtlinge muslimischen Glaubens sind Miriam Shaded daher nicht willkommen. „Das schöne Gesicht der Xenophobie“ wurde die ehemalige Theologiestudentin in Polen bereits genannt. Eine solche Flüchtlingshelferin passt freilich in eine Rechtspartei. Ob die in Polen medial sehr präsente Shaded es auf der Liste der Partei Korwin in den Sejm schafft, ist ungewiss.
Ihre Kampagne läuft bisher nicht gerade rund. Einer ihrer jüngsten Fernsehauftritte war ein Debakel. In einem Interview mit dem Journalisten Piotr Marciniak auf TVN24 geriet Shaded aus der Fassung und antwortete schlecht gelaunt und einsilbig. Warum sie die polnische Margaret Thatcher sei, wollte Marciniak wissen.
Shaded war von ihrem eigenen Parteichef zuvor mit der früheren britischen Premierministerin verglichen worden – anscheinend weil dieser ihr Standfestigkeit und Kompromisslosigkeit andichten wollte. Shaded musste zugeben, von Thatcher wenig zu wissen.
Sie kam schnell zu ihrem eigentlichen Thema: dem Islam und den europäischen Werten. Der Journalist wunderte sich, dass Shaded für eine europafeindliche Partei kandidiert. Sie sagt: Muslime würden Frauen vergewaltigen, Christinnen. Grundsätzlich.
Umfragen rechnen Korwin drei bis fünf Prozent der Wählerstimmen zu. Die Partei muss um den Einzug ins Parlament bangen.
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