Gewalt

Missbrauch: Hunderte Kinder bei Pfadfindern sexuell missbraucht. Täter waren oft Gruppenleiter

Eine Aufarbeitungsstudie dokumentiert systematischen Missbrauch im Verband Christlicher Pfadfinder. Zwei Drittel der Opfer waren Minderjährige zwischen 13 und 17 Jahren.

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Der Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) hat ein massives Problem mit sexueller Gewalt. Mindestens 344 Menschen sind seit 1973 im Verantwortungsbereich des Verbands Opfer sexualisierter Gewalt geworden. Die Hälfte der registrierten Taten wurde nach dem Jahr 2000 begangen. Das geht aus einer Studie hervor, die das Institut für Praxisforschung und Projektberatung München gemeinsam mit dem Dissens-Institut für Bildung und Forschung am Dienstag in Kassel vorstellte.

Dr. Marlene Kowalski aus dem Beirat zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im VCP sprach von einem der „dunkelsten Kapitel“ in der Geschichte des Verbandes.

Mehrheit der Opfer weiblich und minderjährig

Laut Johanna Hess vom Dissens-Institut waren 60 Prozent der Betroffenen weiblich, zwei Drittel zum Tatzeitpunkt zwischen 13 und 17 Jahre alt. Rund die Hälfte der Übergriffe ereignete sich bei Fahrten oder in Zeltlagern. In mehr als einem Drittel der Fälle gehen die Forscher von Vergewaltigungen aus.

Täter waren überwiegend männlich. Unter den 161 Beschuldigten befinden sich lediglich drei Frauen. Etwa jeder zweite Täter war selbst erst zwischen 18 und 24 Jahren alt. Häufig handelte es sich um Gruppenleiter, die sich an ihren Schützlingen vergingen.

Verband der Pfadfinder ließ Betroffene teils im Stich

Die Forschungsinstitute hatten seit 2023 rund 1300 Seiten Akten gesichtet und 79 Interviews geführt. Peter Caspari vom Münchner IPP sprach von einem erheblichen Ausmaß des Missbrauchs, das auch an den Strukturen liege: etwa einem idealisierten Gemeinschaftsgefühl, das es Tätern leicht gemacht habe.

Die Studie kommt zudem zu dem Schluss, dass der Verband Betroffene teils allein gelassen habe. Peter Keil vom VCP-Bundesvorstand erklärte: „Dieser Verantwortung stellen wir uns."

Die stellt auch klare Forderungen an den Verband. Vor allem sollte eine Professionalisierung der Betreuung erfolgen. Das beinhaltet einerseits klare Standards für den Umgang mit Alkohol, privaten Treffen und Übernachtungen. Andererseits fordern die Wissenschaftler, junge Betreuer nicht alleine auf Fahrten gehen zu lassen und bei ihnen besonders auf eine klare Trennung von Privatleben und Tätigkeit als Pfadfinder zu achten. Vertrauenspersonen sollten hauptamtlich arbeiten und nicht mehr primär nur auf freiwilliger Basis. Das Unrecht sollte gegenüber den Betroffenen konsequent anerkannt werden. (mit epd und dpa)

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