Vieles verzeiht das Publikum den Mächtigen - Lächerlichkeit verzeiht es nicht. Denn das Charisma, das im öffentlichen faux pas eines Mächtigen verdunstet, ist das Charisma des Volkes, das sich im König oder Präsidenten wiederzuerkennen verlangt. Und wer erkennt sich schon im Lächerlichen?Wenige Tage vor seiner Vereidigung als erster deutscher Reichspräsident erschienen in der Berliner Presse Fotos von Friedrich Ebert (SPD), die ihn und Reichswehrminister Gustav Noske in Badehose zeigten, aufgenommen im Ostseebad Haffkrug in der Lübecker Bucht. Ebert hatte dem Fotografen Wilhelm Steffen ahnungslos die Aufnahmen gegen die Zusicherung gestattet, sie nicht zu verbreiten. Der Wortbruch Steffens hatte für Ebert dramatische Folgen. Zuerst zeigte ihn die rechtskonservative Deutsche Tageszeitung mit der verlogenen Behauptung, die kräftig gebauten Herrschaften hätten zum Foto ermuntert, um "ihre ganze Mannesschönheit zur Schau zu stellen". Wenige Tage später zog die auflagenstarke liberale Berliner Illustrirte Zeitung nach. Spätestens nach einer weiteren Veröffentlichung in der Berliner Tageszeitung wurde die Kampagne zur Hetzjagd: Auf einer Postkarte mit dem Titel "Einst und jetzt!" waren der frühere Kaiser Wilhelm II. und Reichsmarschall Paul von Hindenburg in strahlender Uniform den Demokraten Ebert und Noske gegenübergestellt. Das zielte auf Eberts Person, aber getroffen werden sollte die Republik. Bis zu seinem Tod 1925 setzte sich Ebert gegen die Verletzung seiner Menschenwürde mit 173 Strafanträgen zur Wehr. Doch der Rufmord war irreversibel und damit zugleich der Ton angeschlagen, der die politische Auseinandersetzung in der Weimarer Republik bis zum Ende bestimmte.Bis heute bedienen sich die Mächtigen weltweit der Badehose als öffentliches Textil nur, wenn Waschbrettstruktur und Muskelspiel des Bauches - vergleiche Putin und Obama - jegliche Häme garantiert verbieten. In Deutschland aber ist die Badehose seit dem Sommer 1919 als Politikertextil verpönt. Man erinnert sich mit Schaudern an Ebert und mit Grausen an Rudolf Scharping.------------------------------Foto: Reichspräsident Ebert und Reichswehrminister Noske
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