Mit einer Auktion soll Geld für die East Side Gallery gesammelt werden

"Mauer light" für zu Hause

Karin Schmidl
3 Min

MITTE/FRIEDRICHSHAIN. Wer sich schon mal immer ein Stück Berliner Mauer nach Hause holen wollte, kann das jetzt tun. Zumindest ein Stück "Mauer light" kann er haben, das dem echten Wall aber täuschend ähnlich sieht: In Mitte kommen am Sonntag sieben Segmente unter den Hammer, die statt aus Beton aus Holz und Gips bestehen und mit 2,50 mal einen Meter auch zierlicher als die Originale sind. Und sie sind kunstvoll bemalt - von Künstlern, die schon die East Side Gallery in Friedrichshain berühmt gemacht haben."Wir versteigern unsere Werke, um Geld für die Sanierung der East Side Gallery zu sammeln", sagt der Maler Kani Alavi. Er ist Chef einer Künstlerinitiative, die sich seit Jahren um die einstige DDR-Hinterlandmauer entlang der Mühlenstraße bemüht. Das mit 1,3 Kilometern längste authentische Stück Mauer in der Stadt war Anfang der 1990er-Jahre von gut hundert Künstlern aus 21 Ländern bemalt worden. Seither steht es als weltweit bekannte Open-Air-Galerie unter Denkmalschutz. Gut 500 000 Touristen zieht es jährlich dorthin. Was sie sehen, ist vor allem Verfall. Die Mauer zerbröselt, hat Löcher, Graffiti verschandeln die verblassten Bilder.Ein Zeichen für Ignoranz gegenüber dem Denkmal ist auch ein 40 Meter breites Loch: Aus der Mauer wurden im vergangenen Sommer 34 Segmente herausgebrochen, weil die Anschutz Entertainment Group, die gegenüber ihre Großarena baut, einen Zugang zur Spree wollte. Die 34 Segmente stehen jetzt zwischen Mauer und Ufer - dort wird derzeit ein Park gebaut.Dass es bislang, bis auf ein 300 Meter langes Stück der Mauer, keine Sanierung gab, lag vor allem am fehlenden Geld. Das sei jetzt endlich beisammen, teilt der Bürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne), mit: "Im August oder September kann die Betonsanierung los gehen." Die dafür nötigen 1,1 Millionen Euro kommen von der EU, vom Bund und von der Senatsverwaltung für Wirtschaft. Auch mit Investoren im Spreeraum führe man laut Schulz "gute Gespräche" über eine Unterstützung. Für die Sanierung wird es auch höchste Zeit, wie Gutachter festgestellt haben. Schulz: "Der Beton zerbröselt und der Stahl im Innern korrodiert, weil über Jahre Feuchtigkeit und Frost eindringen konnten." Noch vor dem Winter soll die Mauer fachgerecht saniert sein - und dann sofort neu bemalt werden.Künstler aus aller Welt malen neuDeshalb ruft Kani Alavi derzeit seine Malerkollegen aus aller Welt zusammen. Das klappt aber nicht in jedem Fall, denn einige sind nicht auffindbar, andere bereits tot. Für sie sollen andere Künstler die Ursprungsbilder neu auftragen. Für die Kunstaktion rechnet Alavi mit Kosten von mindestens 100 000 Euro, wofür er Lottomittel beantragt hat. Und Aktionen wie die Versteigerung organisiert. Vor der Auktion bemalen sechs Künstler auch echte Mauerteile. Diese Tonnen schweren Brocken bleiben danach aber stehen. Die lediglich rund 80 Kilogramm wiegenden Mauer-Kopien können von ihren neuen Besitzern gleich mitgenommen werden. Das Mindestgebot liegt pro Stück bei 200 Euro.Die Kunstaktion an der Zimmerstraße/Ecke Wilhelmstraße in Mitte beginnt am Sonntag um 13 Uhr. Um 17 Uhr ist dort die Versteigerung.------------------------------Foto: Tierry Noirs Riesenkopf ziert dieses Element, das am Sonntag mit versteigert wird.------------------------------Foto: Rast im Mauer-Schatten. Von der Kunst der East Side Gallery ist kaum noch etwas zu erkennen, ab August wird saniert.

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