Mit schwerer deutscher Pranke

Peter Uehling
2 Min

Richard Wagner mag man in Israel nicht. Wenn ein israelisches Kammerorchester die Musik des bekennenden Antisemiten im Ausland spielen will, ist das ein Fall für die Öffentlichkeit. Im nächsten Sommer macht ein israelisches Kammerorchester während einer Konzertreise auch in Bayreuth Station, zwei Tage nach Eröffnung der Wagner-Festspiele. Wagner spielen will es auch. Da dachte sich die Festspielchefin Katharina Wagner: Da werde ich Schirmherrin, das drehe ich sogar noch so herum, dass ich als Einladende dastehe.Gerade sensibel ist es allerdings nicht, wenn die Leiterin der einstigen Kultstätte des ideologischen Antisemitismus diesen heiklen Vorstoß mit schwerer deutscher Pranke für die bislang unterbliebene Vergangenheitsbewältigung ihrer Institution vereinnahmen will. Es sieht so aus, als würden die Wagners das Kammerorchester etwas zu eng umarmen, als wollten die Bayreuther Festspiele selbst den Zeitpunkt und den Grad der Annäherung bestimmen. Weil in Israel die Kritik an dem Auftritt des Orchesters nicht verstummen will, hat Katharina Wagner eine Israel-Reise zwecks Programmabsprache und Diskussion über das Verhältnis der Familie Wagner und Bayreuths zu den Juden aus Sorge vor Gerede abgesagt.Reicht der Täter dem Opfer die Hand, muss er damit rechnen, für aufdringlich gehalten und zurückgewiesen zu werden. Diplomatisch klüger wäre es gewesen, die groß angekündigte Aufarbeitung der braunen Vergangenheit der Festspiele zu einem Ergebnis zu bringen und israelischen Vorstößen in Richtung Wagner ansonsten gesprächsbereit und freundlich-bescheiden zu begegnen. Der Stil der Familie von Richard bis Katharina wäre das gewiss nicht. Zumal die Ernennung der 32-Jährigen zur Honorarprofessorin für Opernregie an der Hanns Eisler-Musikhochschule am Donnerstag ihr auch keinerlei Anlass gibt, ihr polterndes Auftreten zu überdenken. Umso glaubwürdiger und wichtiger aber wären solche Gesten der Empathie in der Öffentlichkeit.

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