Miuccia Prada wird in der Presse oft mit Erziehungsberechtigtenfiguren gleichgesetzt: die Mutter, die Lehrerin, die Königin sogar. Menschen verstummen, wenn Signora Prada kurze, kluge Sätze in ihrem italienisch gefärbten Englisch intoniert. „Mode ist die Suche nach Schönheit“, sagte sie mal vor vielen Jahren zu einer CNN-Reporterin. „Niemand kritisiert, wenn man sich sein Zuhause schön gestalten will“, fuhr sie fort. „Aber die Mode wird ständig als unwichtig bezeichnet. Dabei trägt man sie doch so nah am eigenen Leib.“ Vielleicht war der CNN-Journalistin nicht ganz klar, mit wem sie es hier zu tun hatte. Denn sie ging nicht weiter darauf ein.
Miuccia Prada sprach diese Worte aus einem ganz bestimmten Grund. Sie selbst war als Jugendliche in einer Welt unterwegs, die auf die Mode herabschaute, sie für oberflächlich und dumm hielt. Die 1949 in Mailand geborene Maria Bianchi war in jungen Jahren politisch sehr engagiert und sogar Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens. Sie studierte Politik und promovierte, ihr Umfeld war hochgradig intellektuell. Was die junge Miss Prada jedoch von den Mitstudenten unterschied: Sie trug Yves Saint Laurent. Auch beim Demonstrieren.
Paris Fashion Week: Models über 60 und Künstliche Intelligenz aus Berlin
Lyst-Index als Kommentar zur Zeit: Warum Prada die beliebteste Modemarke der Welt ist
Miuccia Pradas Interesse für Mode wurde also nicht erst mit der Übernahme des familiären Lederwarengeschäfts „Fratelli Prada“ in den 70er-Jahren geweckt, das damals bereits in zweiter Generation von ihrer Mutter geführt wurde. Trotzdem kämpft sie bis heute mit dem, was sie damals fühlte. Der Vogue sagte sie kürzlich über diese Zeit: „Kleidung zu machen, war ein Albtraum. Ich gehörte einer Gruppe wichtiger Intellektueller an, ich habe mich so geschämt. Aber die Liebe zu den schönen Dingen siegte.“ Zum Glück, wie wir heute wissen. Denn sie hat die Marken Prada und Miu Miu zu tonangebenden Luxuslabels gemacht, die zu den derzeit wichtigsten der Welt gehören.
Frau Dr. Pradas Mode wird heute für die unverwechselbare Mischung aus Pragmatismus, Intellekt und Humor gefeiert. Und auch für diese kleine Prise Eigenbrötlertum, die sich in großen Brillen, strengen Scheiteln und langen Kniestrümpfen zeigt. Miuccia Prada selbst liebt Midi-Röcke und schweren Schmuck. Mit ihren fantasievollen, aber nie verrückten Looks, ist sie heute eine Stilikone. Auf Instagram posten Fan-Accounts wie What Miuccia Wore immer wieder Fotos ihrer öffentlichen Auftritte. Am 10. Mai wird Miuccia Prada 75 Jahre alt und wir gratulieren mit Bildern von einigen ihrer schönsten eigenen Outfits.
Mailand, Januar 2023: Miuccia Prada und Raf Simons mit dem Schauspieler Metawin Opas-iamkajorn im Ristorante Torre auf dem Gelände der Fondazione Prada. Man beachte ihren knielangen Rock mit den aufgedruckten Knickfalten.
© Jacopo M. Raule/Getty Images for Prada
New York, Mai 2018: Miuccia Prada erscheint auf der Met-Gala. Sie trägt ein neongrünes Flatterkleid aus der Prada-Kollektion Fall/Winter 2018.
© Imago/Robin Platzer/Twin Images/Avalon United States of America
Mailand, Februar 2005: Applaus nach der Show. Damals war Miuccia Prada noch alleinige Kreativdirektorin. Ihre Vorliebe für Röcke, kurzärmelige Oberteile und hohe Pumps zeigte sie bereits früh – wenngleich hier noch etwas sportlicher, weniger elegant.
© IMAGO
Mailand, Juni 2022: Miuccia Prada und ihr Co-Kreativdirektor Raf Simons verneigen sich vor dem Publikum der Prada-Menswear-Show SS23. Zum kurzärmeligen Strickpulli trägt Frau Prada einen gelayerten Rock und spitze Pumps sowie kostbaren Goldschmuck.
© Matteo Bazzi/Zuma Press/Imago
New York, im Juni 2004: Dr. Miuccia Prada, natürlich komplett in Prada, bei einem Bummel durch SoHo.
© Anthony Dixon/Avalon/Imago
Cannes, Mai 2017: Miuccia Prada erscheint bei den Filmfestspielen zur Premiere von „The Killing Of A Sacred Deer“. Ihr Walker: der Kunstkritiker Germano Celant. Ihr Outfit: ein schimmerndes Damast-Hosenensemble.
© Phil Loftus/Capital Pictures/Imago
New York, Mai 2012: Miuccia Prada im kämpferischen, braunen Miu-Miu-Ensemble beim Press-Preview der Ausstellung „Schiaparelli and Prada: Impossible Conversations“ im Metropolitan Museum of Art. Links neben ihr Anna Wintour in Prada – mit Pantoletten von Manolo Blahnik.
© Zuma/Imago
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de