Mode mit dem 3D-Verfahren

Wie man seine eigenen Klamotten ausdrucken kann

Die 27-jährige Danit Peleg aus Tel Aviv hat als erste Designerin eine Modekollektion mit 3D-Druckern in ihrer Wohnung hergestellt. Die Stücke sind ausgefallen und wenig alltagstauglich, eröffnen der Modebranche aber völlig neue Perspektiven.

Corinne Plaga
4 Min
Nach dem 3-D-Druck müssen die Kleidungsteile zusammengeklebt werden.

Nach dem 3-D-Druck müssen die Kleidungsteile zusammengeklebt werden.

© Danit Peleg Lizenz

„Ich habe während meines Studiums angefangen, mich mit 3D-Druck zu beschäftigen. Auf einem Festival habe ich eine Kette mit einem Anhänger gekauft, der aus dem 3D-Drucker kam, und das hat mich neugierig gemacht“, erzählt die Designerin. Kleidung nicht wie üblich zu nähen, sondern auszudrucken, macht die Faszination für Peleg aus. „Wenn man kleine Anhänger drucken kann, warum nicht auch Kleidungsstücke?“, dachte sich die 27-Jährige, die Modedesign an der Shenkar-Universität Tel Aviv studiert hat. Es folgte eine intensive Recherche über das Produktionsverfahren. Ihre Abschlussarbeit am College war gleichzeitig ihre erste Kollektion.

Autos aus dem 3D-Drucker

In der Industrie wird der dreidimensionale Druck schon seit vielen Jahren genutzt, zum Beispiel im Modellbau und in der Luft- und Raumfahrtindustrie. Auf der Internationalen Raumstation (ISS) druckten Astronauten zum Beispiel ein Werkzeug aus, das zuvor per E-Mail von der Erde an die ISS geschickt wurde. Autofirmen benutzen 3D-Drucker für die Herstellung von Prototypen und die Firma Local Motors hat sich völlig auf die Produktion von Autos mithilfe von 3D-Druck spezialisiert. Mini-Doppelgänger aus dem Drucker bietet die Firma Twinkind an – mithilfe vieler Fotos entsteht so eine detailgetreue Figur eines Menschen.

Danit Peleg ließ sich bei ihrer Arbeit von der Designerin Iris van Herpen aus Holland inspirieren, die schon 2010 mit Mode aus dem 3D-Drucker experimentierte und die ungewöhnlichen Stücke auf den Laufsteg brachte. „Die 3D-Technik ist einfacher als man denkt“, sagt Peleg. Zur Herstellung benutzt die Jungdesignerin Filaflex, ein Material, das den Druck von flexiblen Objekten ermöglicht. Es fühlt sich ähnlich wie Gummi an und ist sehr elastisch. Beim Drucken wird das Material erhitzt – wie bei einer Klebepistole – und Lage für Lage zusammengefügt. Am Ende entsteht so ein Stück Kleidung.

Ihre Idee, 3D-Mode herzustellen stieß auf großes Interesse. Ein Gerätehersteller spendete sogar den ersten Drucker. Für Peleg war das ein großes Glück, denn ein Gerät kostet etwa 2 000 US-Dollar (umgerechnet etwa 1 800 Euro). „Die Technik ist noch sehr teuer“, sagt die Modedesignerin. Aber die Geräte würden mittlerweile immer günstiger.

Großer Aufwand, kleines Ergebnis

Ein weiterer Nachteil neben den hohen Herstellungskosten ist die kleine Druckplatte. Diese hat nur etwa DIN-A4-Format, daher können immer nur kleine Teile ausgedruckt werden, die dann später zusammengeklebt werden. Eine Bastelarbeit. Und die 3D-Technik erfordert Geduld: Um ein A4-großes Stück zu drucken, braucht man zirka 20 Stunden. „Für ein Outfit benötige ich rund 400 Stunden“, so Peleg. Dafür ist die Kleidung sehr robust, könne sogar in der Spülmaschine gewaschen werden. Die Kleidungsstücke entwirft sie am heimischen Computer. Die fertige Datei schickt sie dann an den Drucker. Später einmal, so wünscht sie sich, will sie Dateien direkt an ihre Kunden schicken, die sich dann ihre Kleidung in den eigenen vier Wänden ausdrucken.

Die Reaktionen auf ihre 3D-Mode sind sehr positiv. Modemagazine und internationale Medien loben die junge Designerin und ihre kreativen Stücke in den Himmel. „Tolle geometrische Formen und futuristische Muster“, schreibt zum Beispiel die britische Tageszeitung The Guardian in ihrer Onlineausgabe. „Ihre Kollektion zeigt die vielfältigen Möglichkeiten dieser Technik“, so das Szene-Magazin Wired.

Peleg nimmt den Rummel um ihre Arbeit gelassen. Sie lebt im Zentrum von Tel Aviv zusammen mit ihrem Hund Fendi. In ihrer lagert sie auch ihre Kollektion, mit der sie momentan durch die Welt tourt. New York, Südamerika und Europa stehen unter anderem auf ihrem Reiseplan. In Israel gehört Danit Peleg zur neuen, kreativen Szene, die Tel Aviv so spannend macht. Ein Werbevideo, das sie auf Youtube hochgeladen hat und ihre 3D-Arbeit vorstellt, wurde innerhalb von zwei Wochen vier Millionen Mal aufgerufen. Ein großer Erfolg für die bisher unbekannte Designerin.

Ein Paar rote High Heels kosten übrigens 1000 US-Dollar – „aber sie sind viel günstiger, wenn ich nur die Datei verkaufe und der Kunde die Schuhe zu Hause druckt“, erklärt Peleg. Bedingung wäre natürlich, dass der Kunde einen 3D-Drucker hat – und das haben bisher die wenigsten.

Mehr Infos: http://danitpeleg.com/

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