Mutzi, der Mann vom Mars“ liest das Model, als es, erschöpft vom Posieren neben einer Giacometti-Statue, eine Pause einlegt. Mit solch herrlichen Bissigkeiten wird im Musical-Film „Ein süßer Fratz“ (1957) das Klischee von der oberflächlichen Mode auf Hochglanz gebracht: genau das Richtige für Fashion-Week-Skeptiker, die daheim auf der Couch liegen, aber trotzdem beim Thema bleiben möchten.
Audrey Hepburn spielt in „Ein süßer Fratz“ eine verhuschte Buchhändlerin, die zum Mannequin gemacht werden soll, obwohl sie von philosophischen Wälzern mehr hält als von Modemagazinen: „Sie sind eine unsachliche Beeinflussung des Zeitgeschmacks um ökonomischer Vorteile willen!“ Natürlich sieht sie dennoch bald aus wie aus der Vogue gezogen, es ist ja die Hepburn.
Apropos Vogue: Wie wäre es mal mit dem Original? Also nicht mit Miranda Priestly aus „Der Teufel trägt Prada“, sondern mit Anna Wintour, Chefredakteurin der US-Vogue? Sie wirkt in der ihr geschickt hinterherschnüffelnden Dokumentation „The September Issue“ (2009) tatsächlich so stählern, als würde sie eine Flotte Kriegsschiffe befehligen.
Alle diese Filme sind günstig zu kaufen oder zu streamen. Sie erzählen – in „Coco Chanel – der Beginn einer Leidenschaft“ (2009) und „Yves Saint Laurent“ (2014) – den Pfad erleuchteter Geister in Himmel und Hölle der Modewelt nach. Sie werfen einen elegant resignierten Blick auf eine Kunst, die von Bilanzen regiert wird wie in Robert Altmans „Prêt-à-porter“ (1994). Und sie beweisen – am allerbesten in Albert Maysles’ Dokumentation „Iris“ (2015), gewidmet der 95-jährigen Fashionista Iris Apfel –, wie stürmisch Mode den Zuschauer bewegen kann. (Carmen Böker)
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