Nach einer Explosion in Monaco fahnden die Sicherheitsbehörden des Fürstentums und Frankreichs nach einem Verdächtigen. Nach Angaben der monegassischen Behörden stellte ein Mann am Montagabend kurz vor 21 Uhr ein Paket oder einen Rucksack im Eingangsbereich eines Wohnhauses nahe der französischen Grenze ab. Wenig später kam es zu einer Explosion. Die Behörden gehen von einem mutmaßlichen Anschlag aus. Das berichten unter anderem Reuters, AFP und AP.
Überwachungskameras zeigten den Verdächtigen beim Abstellen des Gepäckstücks. Anschließend floh er zu Fuß ins benachbarte Frankreich. Dort beteiligen sich rund 30 Polizisten, zwei Hubschrauber und Spezialkräfte an der Fahndung. Zum Motiv machten die Ermittler zunächst keine Angaben.
Monacos Staatsminister Christophe Mirmand sprach von einem beispiellosen Vorfall. Nach seinen Angaben habe es einen derartigen Anschlag in der Geschichte des Fürstentums bislang nicht gegeben. Fürst Albert II. verurteilte die Tat als „abscheulichen Akt“ und erklärte, sämtliche Sicherheitskräfte seien mobilisiert worden.
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Medien nennen Wadym Jermolajew als Ziel
Bei der Explosion wurden ein Mann und eine Frau im Alter zwischen 50 und 60 Jahren lebensgefährlich verletzt. Ein 13-jähriges Familienmitglied erlitt leichtere Verletzungen. Alle drei wurden in Krankenhäuser im französischen Nizza gebracht. Nach Angaben der Behörden hat sich ihr Zustand zunächst nicht verändert. Die Identität der Opfer wurde offiziell bislang nicht bestätigt.
Nach Informationen aus Ermittlerkreisen, über die AFP, Reuters, der französische Sender BFM TV und die Zeitung Le Figaro berichten, handelt es sich bei dem schwer verletzten Mann um den ukrainischen Unternehmer Wadym Jermolajew. Reuters berichtet zudem, Jermolajew sei nach Angaben französischer Medien das mutmaßliche Ziel des Anschlags gewesen.
Die Polizei sichert den Bereich nach der Explosion vor einem Wohnhaus in Monaco.
© Jean-Francois/imago
Jermolajew geriet mit Selenskyj in Konflikt
Der aus der ukrainischen Stadt Dnipro stammende Jermolajew gründete die Unternehmensgruppe Alef und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Immobilienunternehmer der Region. Das Magazin Forbes Ukraine führte ihn zeitweise unter den 100 reichsten Ukrainern des Landes. 2019 gab er seine ukrainische Staatsbürgerschaft auf und nahm die zyprische Staatsangehörigkeit an. Nach Angaben ukrainischer Medien lebt er seit Beginn des russischen Angriffskriegs überwiegend in Monaco.
Präsident Wolodymyr Selenskyj belegte Jermolajew 2023 mit Sanktionen. Die ukrainischen Behörden werfen ihm vor, auch nach der russischen Annexion wirtschaftliche Beziehungen zu Unternehmen auf der besetzten Halbinsel Krim unterhalten zu haben. Medienberichten zufolge ging es dabei unter anderem um Geschäfte im Alkoholhandel. Jermolajew weist die Vorwürfe zurück.
In einem Interview mit Forbes Ukraine begründete der Unternehmer den Verzicht auf seine ukrainische Staatsbürgerschaft mit dem Wunsch nach „internationalem Schutz“. Das ukrainische Justiz- und Steuersystem sei „nicht ideal“, sagte er damals. Der britische Guardian weist zugleich darauf hin, dass Jermolajew öffentlich nicht als Vertreter prorussischer Positionen aufgetreten sei. Nach Beginn des russischen Angriffskriegs erklärte er, sein Privatflugzeug sei bei einem russischen Raketenangriff auf den Flughafen von Dnipro zerstört worden.
Sprengsatz mit Metallteilen gefüllt
Nach Angaben der monegassischen Behörden war der Sprengsatz mit Schrauben und Metallkugeln gefüllt, um die Zerstörungswirkung zu erhöhen. Französische Medien sprechen deshalb von einer Paketbombe. Vier weitere Menschen wurden wegen eines Schocks oder leichter Verletzungen durch umherfliegende Glassplitter medizinisch behandelt.
Warum Jermolajew und seine Familie Ziel des mutmaßlichen Anschlags wurden, ist bislang unklar. Die Ermittlungen der Behörden in Monaco und Frankreich dauern an.
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