Mordprozess

Ein Narzisst mit Frauenproblemen

Jorge Q. muss sich wegen Mordes verantworten. Er soll der bereits schlafenden Ulla N. in der Nacht zum 6. Oktober 2013 Brennspiritus über den Körper gegossen und die 45-Jährige dann angezündet haben. Der Angeklagte spricht von einem Unfall.

Katrin Bischoff
4 Min
Jorge Q. auf der Anklagebank

Jorge Q. auf der Anklagebank

© dpa/Bernd von Jutrczenka Lizenz

"Ich würde mich gerne bei Ulla entschuldigen“, zitiert Anwältin Julia Hilterscheid ihren Mandanten. Es tue ihm unendlich leid, was mit seiner Lebensgefährtin geschehen sei. Jorge Q., der so zitierte schmale Mann, sitzt an diesem Dienstag mit gesenktem Blick auf der Anklagebank des Landgerichts und massiert seinen kahlen Schädel.

Der 52-jährige Informatiker kann Ulla N. nicht mehr um Verzeihung bitten. Denn die Waldorflehrerin aus Charlottenburg ist tot, und Jorge Q. muss sich wegen Mordes verantworten. Er soll der bereits schlafenden Frau in der Nacht zum 6. Oktober 2013 Brennspiritus über den Körper gegossen und die 45-Jährige dann angezündet haben. Laut Anklage erwachte Ulla N. und rannte in Panik „einer Fackel gleich“ ins Treppenhaus, wo sie bei lebendigem Leib verbrannte. Als Motiv nennt die Anklage grenzenlose Eifersucht. Ulla N. soll zunehmend unzufrieden mit der Beziehung zu Jorge Q. gewesen sein.

Mit Brennspiritus begossen

Sechs Verhandlungstage hat der gebürtige Kubaner geschwiegen und nur der Dolmetscherin gelauscht. Nun also lässt er vor Gericht seine Anwältin sprechen. Nicht einmal schaut der Mann dabei den Vater des Opfers an, der ihm als Nebenkläger gegenüber sitzt. Jorge Q. lässt erzählen, dass Ulla N. und er seit Langem ein Paar gewesen seien. Natürlich habe es unterschiedliche Auffassungen vom Leben gegeben, aber auch „genügend Gemeinsamkeiten“.

„Ich habe sie wirklich nicht töten wollen“, zitiert ihn die Anwältin. Es sei ein Unfall gewesen. Er sei nach einem Streit in einer Ausnahmesituation gewesen. Er habe die Frau mit Brennspiritus übergossen, ihr aber nur drohen und sie erschrecken wollen. Alles habe glimpflich ausgehen sollen. So wie im Jahr 2000.

Vor 14 Jahren soll Jorge Q. seine damalige Freundin − eine andere Frau − ebenfalls mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und ihr gedroht haben, sie anzustecken, wenn sie nicht gefügig wäre. Dann soll er die verängstige Freundin vergewaltigt haben. Erst jetzt, nachdem der Feuertod von Ulla N. öffentlich geworden war, ging die Frau zur Polizei und zeigte Q. an. Deswegen muss sich der Mann auch wegen Vergewaltigung verantworten.

Bereits früher gewalttätig

Doch auch das war offenbar nicht die erste Gewalttat des Mannes. Schon seine erste Ehefrau, die er in Italien geheiratet hatte, soll laut Ermittlungen 1998 die Scheidung wegen „Gefährlichkeit der Person“ eingereicht haben.

Bei einer Verurteilung droht Jorge Q. eine lebenslange Haftstrafe. Der psychiatrische Gutachter Alexander Böhle hält den Angeklagten für voll schuldfähig. Daran ändert auch die narzisstische Persönlichkeitsstörung nichts, die Böhle dem Mann bescheinigt. „Er ist sehr auf sich bezogen, hat wenig Zugang zu anderen Menschen, ist misstrauisch und fühlt sich schnell angegriffen“, sagt Böhle. Als Kind habe Jorge Q. in seiner kubanischen Familie eine große Kälte erlebt. Böhle spricht von „kontinuierlichen Schwierigkeiten mit Frauen“, die der Angeklagte habe. Der wiederum sehe sich als intelligenten, toleranten Menschen, der sich nur eine Schwäche bescheinige: Mit 1,63 Metern sei er zu klein.

Der psychiatrische Sachverständige kann dem Angeklagten auch keine tiefgreifende Bewusstseinsstörung attestieren, wie sie etwa bei Affekthandlungen der Fall ist. Jorge Q. habe Ulla N. nicht im Affekt angezündet. Es habe eine sehr spannungsreiche Vorgeschichte gegeben, mit Abwertungen und Kränkungen. „Aus seiner Sicht musste er die Frau bestrafen. Das waren alles gezielte Handlungen“, sagt Böhle.

Am Mittwoch der nächsten Woche werden Staatsanwaltschaft, Nebenkläger und Verteidigung ihre Plädoyers halten. Noch am selben Tag will das Gericht sein Urteil verkünden.

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