Ein Foto von Brigitte Scholl, aufgenommen an einem Steckbrief der Polizei. Der rätselhafte Mordfall von Ludwigsfelde südlich von Berlin scheint aufgeklärt: Ausgerechnet von ihrem Ehemann, dem früheren Bürgermeister der Stadt, soll Brigitte Scholl vor knapp vier Wochen ermordet worden sein.
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Der Steckbrief mit dem die Polizei Brigitte Scholl suchte.
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Das Tor zum Grundstück der Familie Scholl in Ludwigsfelde. Brigitte Scholl wurde Ende Dezember in einem Waldstück unweit des Ortes tot aufgefunden.
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Der damalige Bürgermeister von Ludwigsfelde, Heinrich Scholl (SPD). Heinrich Scholl steht nach Angaben der Staatsanwaltschaft Potsdam unter dem Verdacht, die Frau heimtückisch getötet zu haben.
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Heinrich Scholl und Brandenburgs Ministerpräsiedent Matthias Platzeck auf einem Foto vom 30.1.2008.
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Offenbar halten die Ermittler die Beweise gegen den bis zur Tat allseits beliebten Ex-Bürgermeister für stichhaltig. Außerdem ist der SPD-Mann nun auch wegen "Vorteilsnahme im Amt" angeklagt. Wegen der derzeitigen Sommerferien wird in Justizkreisen damit gerechnet, dass der Prozess nicht vor September beginnt.
Das Landgericht Potsdam machte am Freitag noch keine Angaben zur Mordanklage, weil diese erst dem Angeklagten zugestellt werden muss. Die Ermittler gehen davon aus, dass Scholl seine Frau heimtückisch getötet hat, weil sie völlig arglos war und nicht damit gerechnet hat, dass ihr in diesem Moment etwas angetan wird.
Handy nahe des Fundorts der Leiche geortet
Scholl war zur Weihnachtszeit wieder zu seiner Frau ins gemeinsame Haus zurückgekehrt, nach dem er zuvor bei einer Geliebten in Berlin gelebt haben soll. Brigitte Scholl ging oft mit ihrem Hund, dem Cockerspaniel Ursus, in einem bestimmten Waldstück bei Ludwigsfelde spazieren. Dort wurde sie umgebracht. Sie soll erdrosselt worden sein. Scholl selbst meldete seine Frau als vermisst, die Leiche wurde am 30. Dezember gefunden.
Der Witwer nahm bei der Beerdigung zahlreiche Beileidsbekundungen entgegen. Knapp einen Monat nach dem Verbrechen wurde er festgenommen. Sein Alibi war widerlegt, da sein Handy zur Tatzeit in der Nähe des späteren Fundortes der Leiche registriert worden war und er den vorherigen Kurzbesuch in der Therme nur inszeniert haben soll.
Scholl, der von 1990 bis 2008 Bürgermeister war, wird auch Vorteilsnahme im Amt vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin – die sich schwerpunktmäßig mit Korruption befasst – geht davon aus, dass er sich von einem Investor aus Großbeeren mehrfach zum Essen einladen ließ und auch Urlaub in dessen Finca auf Mallorca machte. "Die Vorwürfe haben Gewicht", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Gerd Schnittchen der Berliner Zeitung. Denn es handele sich nicht um ein paar kleine Essen im Gasthof nebenan.
"Die Bewirtungskosten wurden in einer Vielzahl von Fällen übernommen: Vom Gasthof bis zum Luxusrestaurant in Berlin. Die ganze Sache hatte System", sagte Schnittchen. Scholl soll einen finanziellen Vorteil von 1.700 Euro gehabt haben. Die Urlaubsreisen und Essen hätten der "Klimapflege" gedient, sagte Schnittchen. Der Großinvestor hatte von der Stadt mehrere Grundstücke erworben und war mit dem Bau eines Gebäudes am Waldstadion beauftragt.
Der Investor lud offenbar gern Politiker zum Essen ein, um sie gewogen zu stimmen. Ermittelt wird auch gegen Landrat Peer Giesicke (SPD) und Carl Ahlgrimm, den parteilosen Bürgermeister von Großbeeren.
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