Berlin - Das hätte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz auch mit weniger internationalem Renommee-Verlust haben können: Gestern gab sie bekannt, dass nun eine „Machbarkeitsstudie“ prüfen soll, wie und wann und ob überhaupt ihre Sammlung Alter Meister auf die Museumsinsel umziehen kann. Bis Frühjahr 2013 hat das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) Zeit dafür.
Zur Erinnerung: Im Frühjahr beschloss der Bundestag, der Stiftung 10 Millionen Euro für den Umbau der Neuen Gemäldegalerie am Kulturforum für die Sammlungen moderner Kunst zu geben. Die Stiftung entschied sich daraufhin – ohne jede vorbereitende Machbarkeitsstudie! – ihre Sammlung Alter Meister möglichst schnell aus der Neuen Gemäldegalerie ins Bode-Museum auf der Museumsinsel zu schaffen.
Dieses war aber schon zur Eröffnung 1904 zu klein für die vielen kostbaren Gemälde und Skulpturen aus dem Mittelalter, der Renaissance und dem Barock. Deswegen, so die Stiftung, solle der überhängige Rest ab etwa 2014 im Depot verwahrt werden. Bis denn, nach Angaben von Stiftungspräsident Hermann Parzinger, um 2024 oder auch 2027, ein Neubau neben dem Bode-Museum ausreichend Platz auch für die Alten Meister schafft.
Vom Protest überrascht
Der Proteststurm, der sich weltweit gegen diese Planung erhob, kam für die Stiftungsspitze vollkommen unerwartet. Fast alle Fachleute und Kunstfreunde, die sich mit alter Kunst befassten, monierten, dass eine so umfassende und erstklassige Sammlung wie die Berliner nicht ins Depot gehöre, auch nicht teilweise oder zeitweilig. Selbst das moralische Argument der Stiftung – die Planung sei eine Wiedergutmachung für die Untaten der Nazis an der Moderne – verfing nicht. Stattdessen wurde sogar bei Galerieführungen immer wieder gefragt: Warum müssen deswegen die Alten Meister ins Depot? Als die Unterschriftenzahl unter der Protest-Petition des Harvard-Professors Jeffrey Hamburger jetzt über 13.000 stieg und sogar die Abgeordneten im Bundestag zu fragen begannen, lenkte die Stiftung ein.
Schließlich hat sie schon genug damit zu tun, die seit 1996 gedeckelten Betriebshaushalte, dem Umbau zum Wissenschaftstrust und ihre vielen anderen Bauprojekte zu organisieren, die Sanierung der Staatsbibliotheken, den immer noch drohenden Radikalumbau des Pergamonmuseums, den Neubau des Humboldt-Forums – dessen Programm unter Fachleuten ebenso fundamental kritisiert wird wie die Gemäldegalerie-Planung! – oder den des intern hoch umstrittenen Zentraldepots in Friedrichshagen.
Politisches Instrument
Nun soll die BBR also herauskriegen, ob erst ein Neubau neben dem Bode-Museum entstehen muss, damit die Alten Meister für die Moderne am Kulturforum Platz machen können – das entspräche etwa der Forderung der Stiftungs-Kritiker. Oder ist dieser Neubau so realistisch und politisch fest zu verankern, dass eine kurzzeitige Deponierung der Alten Meister erträglich erscheinen mag? Oder, dritte Frage der Stiftung, kann nicht auch ein Neubau für die moderne Kunst am Kulturforum entstehen und die Neue Gemäldegalerie weiter für die Alten Meister genutzt werden?
Die Machbarkeitsstudie ist also auch ein politisches Instrument, um wieder die Debattenhoheit zu erringen. Aber soll sie nur die Kritiker beruhigen, ohne dass die Stiftung ihre Pläne schließlich ändern wird? Sicher ist aber eins: Selbst die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die sich oft geradezu absolutistisch gebärdete, scheint nach dem einzigartigen Massenaufstand der Fachleute begriffen zu haben: Sie kommt ohne eine gewisse demokratische Legitimation ihrer Planungen nicht mehr aus. Allein dieser Lernerfolg war den ganzen Streit wert.
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