Fatih Çevikkollu, der neben mir sitzt, findet Döner gut. Sogar sehr gut. Er hat Hunger. Çevikkollu, Deutschtürke und begnadeter Komiker, hat keine Angst vor Klischees. Er hat einen hübschen Text geschrieben, der „Die deutsche Dönerstie“ heißt. Darin beschreibt er den Siegeszug des Fladenviertels und die Vertreibung des Saumagens aus deutschen Innenstädten. Döner sei Völkerverständigung und damit praktisch höchste Integrationspolitik, sagt Çevikkollu jetzt. In der Comedy-Serie „Alles Atze“ spielte er Murat, den Parade-Türken. Mit ihm essen zu gehen, stellte ich mir immer lustig vor.
Sauce oder nicht Sauce?
Also gut, fahren wir zu Mustafas Gemüsekebap am Mehringdamm, dem Besten, wie unser Taxifahrer behauptet. Dort werde gegrilltes Gemüse mit in den Fladen gepackt. Der Mann sollte es wissen. Berlin hat zwar um die 1 300 türkische Imbissbuden, doch er fährt seit über 20 Jahren Taxi, im Schnitt verdrückt er zwei Döner die Woche.
Çevikkollu und der Taxifahrer fachsimpeln, wie man seinen Döner am besten isst. Als Dürüm, das heißt in dünnes Fladenbrot gerollt, finden beide. Denn ist der Brotanteil zu hoch, stimmt die Mischung nicht. Der Taxifahrer mag allerdings keine Sauce, nur ein bisschen scharf, bei Çevikkollu hingegen sollen die Säfte fließen. Kein Rot- oder Weißkohl, da sind sich beide aber einig, das ist untürkisch.
Döner modern interpretiert
Mustafas Dönerbude hat kein Integrationsproblem, das sehen wir sofort. Dafür eine Riesenschlange. Wir warten. Mit einem Kabarettisten ist das überhaupt kein Problem. Fatih Çevikkollu schaut sich in der Schlange um: „Angela Merkel sagt, Multikulti ist gescheitert? Dafür, dass sie selbst erst 20 Jahre in Deutschland ist, reißt sie die Klappe ganz schön weit auf.“ Er fragt: „Warum heißt das Goethe-Institut nur in der Türkei Deutsches Kultur-Zentrum? Weil ‚Göte!‘ auf Türkisch ‚für’n Arsch‘ bedeutet.“
Wie und wann fallen ihm seine Witze ein? „Wenn ich satt und entspannt bin.“ Er erzählt von „Fatih Unser!“, seiner neuen Show, mit der er jetzt in Berlin auf der Bühne steht (17.9., 20 Uhr in den Wühlmäusen). „Keine Angst, das Programm hat nichts mit Religion zu tun. Sonst hätte ich es Fatihkan genannt.“
Dann sind wir an der Reihe. Çevikkollu bestellt einen Gemüse-Dürüm ohne Fleisch. Ich nehme den Hähnchen-Döner mit Gemüse, ohne Zwiebeln. Bei Mustafas Imbiss gibt es kein Lamm oder Kalb, er hat den Döner modern interpretiert. In die Teigtasche kommt neben dem Salat auch Gemüse und gebröselter Schafskäse mit einem Schuss Zitrone darauf.
Çevikkollu beißt in seinen Dürüm Döner und sieht sehr zufrieden aus, während Knoblauch- und Joghurtsauce auf den Stehtisch tropfen. „Je unästhetischer, umso leckerer.“ Auch mein Hähnchen-Döner macht mich gerade sehr glücklich. Das geröstete Fladenbrot ist warm und knusprig, das Huhn frisch herunter gesäbelt und nicht fettig. Wie schmeckt Fatih Çevikkollu sein Gemüse-Dürüm? „Süper, süper!“, schreit er, weil die Baustelle am Mehringdamm plötzlich höllisch Lärm macht. Das Gemüse habe Eigengeschmack, einen niedrigen Fettgehalt und werde in seiner Weiche vom Schafskäse abgeholt, dessen Salzgehalt mit dem Kumin, der Minze und der Petersilie oszilliere.
Am Ende steigt Fatih Çevikkollu wieder in ein Taxi. Zum Fahrer sagt er: „Dies ist der beste Döner der Stadt.“ Der zuckt nur die Schultern. In Berlin ist es eine ewige Suche. So wie die Jagd nach der besten Currywurst.
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