Die ersten rund 300 Ghanaer, die wegen fremdenfeindlicher Spannungen aus Südafrika zurückkehren, sind nach Berichten mehrerer Agenturen am Mittwoch in Accra angekommen. Ghana begann damit eine freiwillige Rückholaktion für Staatsbürger, die sich nach Protesten und Angriffen gegen Einwanderer in Südafrika nicht mehr sicher fühlen.
Nach Angaben von AP versammelten sich Familien und Reisende mit Gepäck am O.R. Tambo International Airport in Johannesburg. Behörden und Polizei koordinierten dort die Ausreise. Die ghanaische Botschaft in Südafrika stellte Notfallreisedokumente für Menschen aus, die ihre erlaubte Aufenthaltsdauer überschritten hatten.
Ghanas Außenminister Samuel Okudzeto Ablakwa empfing die Rückkehrer laut Reuters am Flughafen in Accra. Er kündigte psychosoziale Unterstützung sowie Hilfen für Transport und Wiedereingliederung an.
Die Rückholung folgt auf neue Proteste gegen Einwanderung in Teilen Südafrikas. Laut Reuters werfen aktivistische Gruppen Ausländern vor, zu Kriminalität und Arbeitslosigkeit beizutragen. Menschenrechtsorganisationen weisen diese Darstellung laut Reuters zurück, da sie in den Angriffen eine Schuldzuweisung an Ausländer für Südafrikas wirtschaftliche Probleme sehen.
Mehr als 800 Rückkehrwillige registriert
Mehr als 800 Ghanaer haben sich nach AP-Angaben bei Ghanas diplomatischer Vertretung in Pretoria für eine Rückführung registriert. Südafrikanische und ghanaische Behörden arbeiteten demnach an der Ausreise weiterer Rückkehrwilliger. Ein Mitarbeiter der südafrikanischen Einwanderungsbehörde sagte dem Fernsehsender eNCA, von den 300 Menschen der ersten Gruppe hätten nur zehn einen legalen Aufenthaltsstatus gehabt.
In Südafrika kommt es seit Jahren immer wieder zu fremdenfeindlicher Gewalt gegen Ausländer. Im Mai 2008 begannen Ausschreitungen in Alexandra bei Johannesburg und griffen nach Angaben von Human Rights Watch auf sieben der neun Provinzen über; 62 Menschen starben, Zehntausende wurden vertrieben oder verließen das Land.
2015 meldete das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR Angriffe in KwaZulu-Natal mit sechs Toten und mehr als 5000 Vertriebenen. Zwischen März 2019 und März 2020 dokumentierte Human Rights Watch erneut Gewalt von Menschenmengen und gezielte Angriffe auf Ausländer, vor allem in den Provinzen Westkap, Gauteng und KwaZulu-Natal.
Africanews berichtet von einem Ultimatum einer fremdenfeindlichen Gruppe, wonach irreguläre Migranten Südafrika bis zum 30. Juni verlassen sollten. Mehrere hundert Menschen aus der Demokratischen Republik Kongo, Ruanda und Somalia hätten Anfang des Monats in Durban nach einer Zuflucht gesucht, nachdem Anwohner sie aufgefordert hatten, die Stadt zu verlassen.
Südafrikanische Behörden haben Gewalt gegen Ausländer laut AP und Reuters verurteilt. Zugleich kündigte die Regierung an, härter gegen Einwanderung ohne gültige Papiere vorzugehen. Bürger sollten nicht selbst gegen Migranten vorgehen. Nigeria kritisierte laut AP ebenfalls die Behandlung einiger seiner Staatsbürger und erwägt, sie aus Südafrika auszufliegen.
Arbeitskräfte aus Nachbarstaaten
Südafrika ist seit Langem Ziel von Arbeitsmigration aus anderen afrikanischen Ländern. Als am stärksten industrialisierte Volkswirtschaft des Kontinents zieht das Land Arbeitskräfte mit und ohne gültige Aufenthaltspapiere an. Nach Angaben des südafrikanischen Statistikamts leben dort mehr als drei Millionen Ausländer, das entspricht 5,1 Prozent der Bevölkerung. Mehr als 63 Prozent von ihnen kommen aus den 16 Staaten der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika. Die Einwanderer arbeiten demnach besonders häufig im Handel und auf dem Bau. Bei Frauen fällt vor allem Arbeit in privaten Haushalten ins Gewicht.
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