Nach Ausbruch aus der JVA Moabit

Am Stacheldraht wurde manipuliert

Offenbar halfen Unbekannte den beiden Häftlingen beim Ausbruch. Die Polizei fahndet weiter nach den flüchtigen Kriminellen. Berlins Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) räumte inzwischen Fehler beim Personal ein.

Andreas Kopietz
3 Min
Die Justizvollzugsanstalt Moabit galt bislang als sicher.

Die Justizvollzugsanstalt Moabit galt bislang als sicher.

© Markus Wächter Lizenz

In der Verwaltung von Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) hieß es, es gebe dazu lediglich erste Überlegungen. Es werde auf jeden Fall in die Sicherheitstechnik investiert, sagte er am Mittwoch im Inforadio des RBB. In der RBB-„Abendschau“ hatte der CDU-Politiker am Dienstag auf die Frage nach einem möglichen Rücktritt geantwortet: „Man muss zurücktreten, wenn man etwas falsch gemacht hat.“ Das könne er in seinem Fall aber nicht erkennen.

Die Häftlinge waren in der Nacht zum Montag in einer spektakulären Aktion geflüchtet. Die Kriminellen hatten Gitter vor ihren Zellenfenstern durchgesägt, sich abgeseilt und dann eine Mauer und Stacheldraht überwunden. Die Ausbrecher blieben auch am Mittwoch weiter untergetaucht. Die Fahndung laufe auf Hochtouren, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Die Polizei verzichtet vorerst auf eine Öffentlichkeitsfahndung, weil sie mit sogenannten Zielfahndern an den Ausbrechern dran ist. Eine Veröffentlichung der Fotos und der Namen der Ausbrecher würde nur stören, hieß es. Zur Identität der Häftlinge äußerten sich Justiz und Polizei aus taktischen Erwägungen nicht.

Flucht war auf Überwachungskamera zu sehen

Der 34-jährige Metin-Michael M. ist ein mutmaßlicher Mörder. Er wird beschuldigt, im vergangenen Jahr den Promiclub-Besitzer Jochen Strecker in dessen Wohnung mit mehreren Messerstichen getötet zu haben. Gegen ihn läuft derzeit der Prozess vor dem Berliner Landgericht. Der zweite Ausbrecher, bei dem es sich wie berichtet, um den 25-jährigen Ulrich Z. handelt, ist wegen Einbruchs und Betrugs verurteilt. Er soll nach Angaben der Bild-Zeitung in seiner Zelle einen Brief hinterlassen haben mit den Worten: „Muss noch was erledigen, komme in drei Wochen wieder.“ Die Justizverwaltung will dies jedoch nicht bestätigen.

Justizsenator Heilmann räumte inzwischen Fehler beim Personal ein. So sei auf einem Bild einer Überwachungskamera die Flucht zu sehen gewesen, dieses sei aber weggedrückt worden. Erst zweieinhalb Stunden später wurde der Ausbruch entdeckt. Gegen Mitarbeiter der Alarmzentrale begannen Disziplinarermittlungen. Es war die erste gelungene Flucht aus dem Untersuchungsgefängnis mit rund 1000 Plätzen seit rund 15 Jahren. Vieles deute auf eine längere Planung hin, hieß es in Justizkreisen. Auch die in den Zellen zurückgelassenen Sachen der Kriminellen werden nun untersucht.

Ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen Gefangenenbefreiung wurde eingeleitet. Möglicherweise hatten die Häftlinge Helfer. Nach Angaben einer Justizsprecherin wurden Halterungen am Stacheldraht „mit einem Gerät manipuliert“. Dadurch konnten die Flüchtenden den Draht vermutlich beiseiteschieben. Noch in dieser Woche soll eine unabhängige Untersuchungskommission beim Berliner Senat mit dem Aufarbeiten des Falls beginnen. (mit dpa)

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