Nach dem Ende der Sanktionen gegen den Iran hofft auch die Berliner Wirtschaft auf eine schnelle Wiederbelebung des Handels mit dem Land. „Die Zeichen stehen gut, dass auch Berlins Exportwirtschaft an die traditionell guten Handelsbeziehungen mit dem Iran anknüpfen kann“, sagte der Koordinator für internationale Märkte bei der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK), Sami Bettaieb. Bis zum vergangenen Wochenende galten die Sanktionen, die der Westen vor zehn Jahren wegen des iranischen Atomprogramms verhängt hatte.
Nun geht der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) davon aus, dass die deutschen Exporte in den Iran innerhalb von vier Jahren auf zehn Milliarden Euro vervierfacht werden können.
IHK-Vertreter Sami Bettaieb betonte, das Land war vor zehn Jahren als Handelspartner für Berliner Unternehmen so bedeutend wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate zusammen. „Das sind die derzeit wichtigsten Märkte im Nahen und Mittleren Osten.“ Bettaieb schätzt, dass ein Anstieg der jährlichen Berliner Iran-Ausfuhren auf knapp 170 Millionen Euro innerhalb der nächsten fünf bis sieben Jahre möglich sei.
Derzeit exportieren gut 100 Firmen in den Iran
Zuletzt lieferten gut 100 Berliner Unternehmen ihre Produkte in den Iran. „Viele Unternehmer haben seit dem letzten Jahr ihre oft seit Jahrzehnten bestehenden Kontakte dorthin aufgefrischt und können jetzt Geschäftsaktivitäten und -vorhaben konkretisieren und ausweiten“, so Bettaieb. Besonders für klein- und mittelständische Unternehmen sei dabei aber der internationale Wiederanschluss des iranischen Bankensektors außerordentlich wichtig, denn die stark eingeschränkten Finanztransfers gehören weiterhin zum größten Hindernis im Iran-Geschäft.
Nach den letzten aktuell verfügbaren Daten haben Berliner Unternehmen im Jahr 2014 Waren im Wert von 39 Millionen Euro in den Iran ausgeführt, global waren es 13,3 Milliarden Euro. Wichtigstes Außenhandelsland für Berlin sind die USA, danach folgt Polen. Russland ist wegen der Sanktionen, die im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt verhängt wurden, weit zurückgefallen.
Auch im Land Brandenburg ist das Interesse an wirtschaftlichen Kontakten mit dem Iran wieder erwacht. Brandenburger Mittelständler planen voraussichtlich im Oktober eine Reise dorthin. Ziel sei der langfristige Ausbau der Geschäftsbeziehungen mit der Republik.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de