Protest in Kreuzberg

Was die Rettung des Café Filou für andere Läden bedeutet

Die Kiezbäckerei ist gerettet. Die Lösung könnte als Vorbild dienen.

Silvia Perdoni
3 Min
Der Protest zeigte Wirkung: Das Café Filou bleibt. 

Der Protest zeigte Wirkung: Das Café Filou bleibt. 

© imago/Pacific Press Agency

So richtig glauben kann Daniel Spülbeck es immer noch nicht: Seine Bäckerei, das Café Filou in Kreuzberg, ist gerettet. Die Eigentümer des Hauses in der Reichenberger Straße, die beiden Londoner Charles Skinner und David Evans, haben am Wochenende die Kündigung für den Laden zurückgezogen. „Damit hätten wir nicht mehr gerechnet, wir sind aus allen Wolken gefallen“, sagt Spülbeck, der das Filou zusammen mit seiner Familie betreibt.

Er berichtet, das Eigentümerduo arbeite aktuell einen Dreijahreskontrakt mit gleichbleibender Miete aus. „Der Vertrag könnte ein Exempel statuieren: Anders als bei Gewerbevermietungen üblich, soll er nur einseitig vom Mieter zu kündigen sein, nicht vom Vermieter“, erklärt Spülbeck. Die Rechtslage schreibt Gewerbemietern abgesehen von der Kündigungsfrist normalerweise weniger Schutz vor Verdrängung zu als Bewohnern von Privatwohnungen.

Der öffentliche Druck wuchs

Was die Eigentümer zum Umschwenken motivierte, kann Spülbeck nur vermuten. „Vielleicht haben sie einfach gesehen, dass sie zwar juristisch im Recht sind, moralisch aber nicht.“ Im Kreuzberger Kiez hatte sich Protest geregt, nachdem die Eigentümer im Dezember die Kündigung für das seit 15 Jahren bestehende Café ausgesprochenen hatten. Mitte Februar trafen sich hunderte Menschen vor der Bäckerei zu einer Kundgebung, mehr als 2000 unterzeichneten eine Petition für den Erhalt des Cafés.

Protest gegen Schließung des Filou in Kreuzberg

Am kommenden Wochenende war eine zweite Demonstration geplant, der öffentliche Druck wuchs. Ob dies den Ausschlag für die Einigung gab, darüber gaben Charles Skinner und David Evans auf Anfrage vorerst keine Auskunft. 

Einen entscheidenden Beitrag zur Lösung leisteten offenbar auch der Kreuzberger Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele (Grüne) sowie die Betreiberin des Nachbarrestaurants Vertikal. Am Donnerstag vergangener Woche habe es einen runden Tisch mit Ströbele, den Eigentümern und mehreren Nachbarschaftsinitiativen gegeben. Dieser brachte jedoch zunächst kein Ergebnis.

Vorlage für andere kleine Läden

„Doch am Abend erhielt ich plötzlich einen Anruf mit der Bitte um ein erneutes Treffen am Freitag“, sagt Spülbeck. Dabei habe sich ausgerechnet die Vertikal-Betreiberin für die Bäckerei eingesetzt, obwohl ihr Restaurant Anfang März noch von Gentrifizierungsgegnern angegriffen wurde und von ihnen als Symbol für die Verdrängung alteingesessener Läden durch neue gesehen wird.

Obwohl noch nicht alles in trockenen Tüchern ist, hat Daniel Spülbeck Hoffnung, mit der Einigung auch eine Vorlage für andere kleine Läden zu sein. „Es braucht mehr Rechte, um als Tante-Emma-Betrieb nicht mehr so sehr der Vermieterwillkür ausgeliefert zu sein“, sagt er. „Vielleicht ist unser Erfolg ein Schritt dahin.“

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