Gestern, halb zehn, Aeropuerto Barcelona-El Prat: Albas Basketballer checken ein. Sie sind mit dem Bus aus Saragossa gekommen, nun geht es weiter nach Berlin und vom Flughafen direkt zur Trainingshalle in Mitte. Dort werden sie über die Partie des Vorabends reden. Es braucht nicht viel Fantasie, um zu wissen, dass die Stimmung gedrückt ist. „Ich kann mir nicht vorstellen“, sagt Albas Sportdirektor Mithat Demirel, „dass irgendjemand die vergangene Nacht gut geschlafen hat.“
Das 50:75 (22:39) vom Mittwoch im Eurocup bei Basket Saragossa wirkt nach. Selbst wenn die Verantwortlichen seit dem Saisonstart darauf hingewiesen haben, dass solche Rückschläge kommen würden und immer betonten, was auch Demirel jetzt wieder betont: „Diese Mannschaft braucht Zeit.“ Zeit wurde ihr in Saragossa aber nicht gewährt. Mit 2:12 Punkten lag sie nach der Hälfte des ersten Viertels zurück und hatte bereits fünf Teamfouls auf dem Kerbholz, die Gastgeber dagegen kein einziges. Damit waren die Verhältnisse schon mal geklärt.
Bremerhaven als Chance
Diejenigen, die in die Partie starteten, diejenigen, die dem Berliner Spiel Halt geben sollten, waren nicht bereit gewesen. David Logan etwa, mit zwickender Wade auf dem Parkett unterwegs, schaffte in 20:53 Minuten nur zwei Punkte, einen Assist und keinen Rebound. „Das betrifft allerdings nicht allein David“, sagt Demirel, „sonst wird er zu Beginn ja auch gedoppelt, dann springen eben andere ein.“ Das passierte diesmal nicht. Dafür passierten Fehler in der Abwehr, bislang das Herz des Alba-Spiels.
Ebenso wenig wie nun aber ein klarer Sieg gegen ein Topteam wie das 94:74 gegen den FC Bayern München ein Beleg dafür sein konnte, dass die junge Mannschaft bereits dem Zielpunkt ihrer Entwicklung nah ist, sehen sie bei Alba in einer klaren Niederlage wie der gegen Saragossa Anlass, alles infrage zu stellen. Dennoch: In fremder Halle vor 6 700 Saragossa-Fans einem Rückstand hinterherzulaufen ohne nennenswerte Aussicht, diesen Wettlauf gewinnen zu können, trägt nicht dazu bei, dass das Team weiter zusammenwächst.
Deswegen haben sie sich nach der Aufarbeitung der Spanienreise sofort auf das nächste Spiel ausgerichtet. Am Sonnabend gastiert Bremerhaven in der Arena am Ostbahnhof (19 Uhr). Pflichtgemäß versieht Alba die Partie zwar mit einem Warnhinweis, doch gelangen den Gästen, 16. der Tabelle, in dieser Saison nur zwei Siege: ein 93:89 in Hagen und ein 87:74 gegen Bayreuth.
Im Duell mit Bremerhaven können sich die Berliner rehabilitieren. Sie wissen ja jetzt, was passiert, wenn sie nicht bereit sind. „Wir wurden von Saragossas Niveau in der Verteidigung überrascht“, hat Levon Kendall erzählt. Der Center war einer der fünf aus der Startformation, seine zweite Erkenntnis erstaunt: „Gleichzeitig hatten wir keine Energie und keinen Willen.“ Eine Ausnahme für dieses Berliner Team bisher. Albas sportliche Leitung wird wollen, dass es eine Ausnahme bleibt.
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