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Niederlande

„Feldzug gegen Juden“: Israel schickt Außenminister nach Amsterdam – Fußballfans ausgeflogen

In der Nacht kam es in Amsterdam zu massenhaften Angriffen auf israelische Fußballfans. Der neue israelische Außenminister, Gideon Saar, sprach von einem „barbarischen Feldzug gegen Juden“.

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Bei propalästinensischen Protesten in Amsterdam kam es auch zu Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Demonstranten.

Bei propalästinensischen Protesten in Amsterdam kam es auch zu Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Demonstranten.

© Jeroen Jumelet/imago

Infolge der Ausschreitungen nach einem Fußballspiel von Ajax Amsterdam gegen Maccabi Tel Aviv am Donnerstagabend in Amsterdam will der neue israelische Außenminister, Gideon Saar, zu einem spontanen Besuch in die Niederlande reisen. Das teilte Saar in einem Beitrag auf der Onlineplattform X mit. Darin schrieb er: „Ein blutrünstiger propalästinensischer Mob“ habe in der vergangenen Nacht „in der ganzen Stadt einen barbarischen Feldzug gegen Juden und Israelis geführt“. Er hob zudem die zeitliche Nähe zum Jahrestag der Pogromnacht hervor. Es handelt sich seinen Angaben zufolge um die erste Reise in seinem neuen Amt.

Die Gewalt habe „alle Grenzen überschritten“, teilten die Amsterdamer Polizei, Bürgermeisterin Femke Halsema und das Justizministerium am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung mit. „Ich verstehe, dass dies Erinnerungen an Pogrome weckt“, sagte Halsema in der Pressekonferenz. „Es ist ein großer Schaden für die Stadt“. Sie sprach von einem „Ausbruch von Antisemitismus“, wie es dies lange nicht mehr gegeben habe.

Amsterdam verstärkt die Sicherheitsmaßnahmen

„Männer auf Motorrollern fuhren durch die Stadt und suchten israelische Fußball-Fans“, führte sie aus. Die Angreifer hätten Maccabi-Fans ins Visier genommen, geschlagen und seien dann schnell geflüchtet. „Ich kann gut verstehen, dass das Erinnerungen an Pogrome weckt“, sagte Halsema weiter. „Unsere Stadt wurde zutiefst beschädigt. Die jüdische Kultur wurde zutiefst bedroht“, fügte sie hinzu. Halsema kündigte daraufhin verstärkte Sicherheitsmaßnahmen an. Dazu gehöre auch ein vorübergehendes Demonstrationsverbot.

Niederländischen Polizeiangaben zufolge sind bei den Eskalationen in der Nacht fünf Menschen verletzt in Krankenhäuser gebracht worden, 20 bis 30 Menschen klagten über leichte Verletzungen. Zudem seien 62 Menschen festgenommen worden, teilte die Polizei weiter mit. In einer Pressekonferenz am Nachmittag fügte Stadtstaatsanwalt René de Beukelaer hinzu, dass zehn von ihnen weiter in Polizeigewahrsam seien.

Die Ermittlungen würden sich nun auf Antisemitismus als Motiv für die Gewalt konzentrieren, sagte de Beukelaer weiter. „Wir versuchen jetzt, die Täter zu identifizieren, um sie zu verhaften. Gibt es Verbindungen zwischen ihnen, war es organisiert?“

Palästinensisches Außenministerium äußert sich zu Gewalt in Amsterdam

Nach den Angriffen auf israelische Fußballfans in Amsterdam hat das palästinensische Außenministerium im Westjordanland betont, „Gewalt in all ihren Formen“ abzulehnen. Das Ministerium verurteilte in einer Mitteilung zugleich antiarabische Parolen und Angriffe auf die palästinensische Flagge durch israelischen Fans in der niederländischen Hauptstadt aufs Schärfste. Die Behörde forderte die niederländische Regierung auf, Palästinenser und Araber zu schützen sowie die israelischen Verantwortlichen ausfindig zu machen.

Berichte über vermisste israelische Fans

Die Polizei hat nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP auch Kenntnis von Berichten über eine mögliche Geiselnahme und vermisste Personen. Am Nachmittag teilte das israelische Außenministerium mit, dass inzwischen alle Israelis in der niederländischen Hauptstadt erreicht wurden. Zuvor hatte tatsächlich zu mehreren israelischen Bürgern in Amsterdam kein Kontakt bestanden, drei galten als vermisst.

Nach Angaben der Amsterdamer Polizei wurden „umfangreiche Ermittlungen zu mehreren gewalttätigen Ereignissen“ eingeleitet. Videos, die in den sozialen Medien kursieren, sollen außerdem zeigen, dass Autos in Menschenmengen gefahren seien.

In weiteren, nicht-verifizierten Videos, die in Onlinemedien zirkulierten, waren mutmaßliche Maccabi-Anhänger zu sehen, die auf Hebräisch „Nieder mit den Arabern! Wir werden gewinnen“ sangen. Eine pro-palästinensische Kundgebung gegen den israelischen Fußballclub sollte ursprünglich in der Nähe des Stadions stattfinden, wurde aber aus Sicherheitsgründen von der Stadtverwaltung verlegt.

Israels Premierminister Netanjahu schickt Rettungsflieger nach Amsterdam

Israelische und niederländische Politiker sprachen bereits in der Nacht von „antisemitischer Gewalt“. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu schickte zudem zwei Flugzeuge, um die israelischen Fußballfans sicher zurück nach Israel zu bringen. Die erste Maschine landete am Freitagnachmittag auf dem Ben Gurion Flughafen bei Tel Aviv.

Der niederländische Premierminister Dick Schoof verurteilte die Gewalt gegen israelische Fans. „Ich verfolge die Nachrichten aus Amsterdam mit Entsetzen“, schrieb er auf X. „Antisemitische Angriffe gegen Israelis sind absolut inakzeptabel. Ich stehe in engem Kontakt mit allen Beteiligten.“ Er habe mit Netanjahu telefoniert und ihm zugesichert, dass die Verantwortlichen strafrechtlich verfolgt werden würden. (mit AFP)

Auch Bundesaußenministerin Annalena Baerbock äußerte sich am Freitag zu den Geschehnissen in der niederländischen Hauptstadt. „Die Bilder aus Amsterdam sind furchtbar und für uns in Europa zutiefst beschämend“, schrieb sie am Freitag im Onlinedienst X. „Der Ausbruch solcher Gewalt gegenüber Juden überschreitet alle Grenzen“, fuhr Baerbock fort. „Dafür gibt es keine Rechtfertigung.“ Jüdinnen und Juden „müssen in Europa sicher sein“, betonte sie. (mit AFP)

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