Ukraine-Krieg

Nach Hinweisen auf Geheimtreffen: Moskau weist Verhandlungen mit Berlin zurück

Russlands Vize-Außenminister bestreitet offizielle Ukraine-Gespräche mit Berlin. Grund sei die „antirussische Rhetorik“ Deutschlands. Doch informelle Kontakte gebe es sehr wohl.

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Russlands stellvertretender Außenminister Michail Galusin gab Tass kürzlich ein ausführliches Interview.

Russlands stellvertretender Außenminister Michail Galusin gab Tass kürzlich ein ausführliches Interview.

© Russian Foreign Ministry/imago

Zwischen Russland und Deutschland gibt es keine offiziellen Verhandlungen zur Beendigung des Ukraine-Krieges. Das hat der russische Vize-Außenminister Michail Galusin klargestellt. In einem Interview mit der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass erklärte er, es habe solche Kontakte weder gegeben, noch seien sie derzeit wahrscheinlich.

Ausgelöst wurde die Debatte durch den aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew, der von einem geheimen Treffen ehemaliger deutscher und russischer Regierungsvertreter in Baku berichtet hatte.

Was Galusin genau sagte

Galusin schloss in dem Interview offizielle Gespräche mit Berlin über die Ukraine-Krise aus. „Es gab und gibt keine offiziellen Kontakte mit Deutschland bezüglich der Ukraine-Krise, und es ist unwahrscheinlich, dass solche Kontakte angesichts der extrem aggressiven antirussischen Rhetorik und der von der deutschen politischen Führung ergriffenen praktischen Schritte möglich wären“, sagte er laut Tass.

Zugleich verwies der Diplomat auf eine andere Ebene des Austauschs. Zwischen Vertretern zivilgesellschaftlicher Gruppen beider Länder gebe es weiterhin Begegnungen. „Informelle Treffen zwischen Vertretern verschiedener öffentlicher Organisationen in Russland und Deutschland haben stattgefunden und finden weiterhin statt“, betonte Galusin.

Der Auslöser: Alijews Aussage zu Baku

Anlass für die Frage nach Verhandlungen war ein öffentlicher Hinweis aus Aserbaidschan. Präsident Ilham Alijew hatte auf einer Pressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz von einem Treffen ehemaliger deutscher und russischer Beamter in Baku gesprochen. Es habe vom 12. bis 14. Juli ohne Wissen der Republik stattgefunden.

Nach RBC-Angaben nannte Alijew konkrete Namen. Auf russischer Seite seien der Vorstandsvorsitzende von Gazprom und frühere Ministerpräsident Wiktor Subkow sowie der Vorsitzende des Menschenrechtsrats Waleri Fadejew beteiligt gewesen. Merz erklärte, er habe keine Kenntnis von dem Treffen.

Track-2-Diplomatie im Hintergrund

Solche inoffiziellen Zusammenkünfte tragen den Fachbegriff Track-2-Gespräche. Dabei loten frühere Amtsträger und Denkfabriken ohne offizielles Mandat mögliche Lösungswege aus, deren Ideen später in Regierungskanäle zurückfließen können.

Ein weiteres Treffen dieser Art soll es im Juli in Wien gegeben haben. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, kamen dort frühere hochrangige Vertreter aus Russland, Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen, um Bedingungen für Friedensverhandlungen auszuloten.

Das deutsche Auswärtige Amt erklärte gegenüber Bloomberg, es habe keine Kenntnis von den Gesprächen; diese seien nicht in seinem Auftrag geführt worden.

Russlands Position zu Verhandlungen

Galusin verband seine Aussagen mit der grundsätzlichen Haltung Moskaus. Die Tür für Gespräche sei nicht geschlossen, der Ball liege aber nicht bei Russland. Man orientiere sich an den Vereinbarungen des Treffens zwischen Putin und Trump in Anchorage. Zugleich warf er dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor, kein Interesse an Frieden zu haben.

Auch das Verhalten der USA bewertete der Vize-Außenminister in dem Interview kritisch. Rhetorik und Handeln Washingtons stünden im Widerspruch, da die Waffenlieferungen an Kiew fortgesetzt würden.

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