Nach kräftigen Verlusten wird 2009 die Produktion drastisch reduziert

Peugeot will 11 000 Stellen streichen

Axel Veiel
3 Min

PARIS. Kaum hat Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy das 7,5 Milliarden Euro schwere Unterstützungspaket für Frankreichs Autoindustrie auf den Weg gebracht, da wartet der größte Autobauer des Landes auch schon mit Zahlen auf, die die schwierige Lage des Unternehmens drastisch vor Augen führen. Das von PSA Peugeot Citroen gestern in Paris ausgewiesene Betriebsergebnis 2008 sowie der Ausblick auf die nächsten Jahre bleiben deutlich hinter den ohnehin nur noch geringen Erwartungen zurück.Hilfspaket wird überprüftTrotz Sparprogrammen und Staatshilfe ist der zweitgrößte Autohersteller Europas bereits im vergangenen Jahr deutlich in die Verlustzone gerutscht. Nach einem Gewinn von 885 Millionen Euro im Jahr 2007 schrieb die Peugeot-Gruppe 2008 ein Minus von 343 Millionen Euro. Die Konzernleitung will mit einem weiteren drastischen Personalabbau gegensteuern. Noch im Lauf dieses Jahres sollen in Europa 11 000 Stellen gestrichen werden. Man erwarte, dass entsprechend viele Mitarbeiter freiwillig ausschieden, sagte die PSA-Finanzdirektorin Isabel Marey-Samper.Im laufenden Jahr will der Konzern seine Fahrzeugproduktion um 20 bis 30 Prozent drosseln. Mit 158 000 Beschäftigten zählte die PSA Ende vergangenen Jahres in Westeuropa bereits 18 000 Mitarbeiter weniger als Ende 2006. Wobei der Autohersteller trotz des geplanten Personalabbaus auch 2009 noch rote Zahlen schreiben dürfte. Nach Einschätzung des Konzernchefs Christian Streiff "wird vor allem das erste Halbjahr schwierig". Erst 2010 werde man wieder die Gewinnzone erreichen, glaubt Streiff.Erschwerend kommt allerdings hinzu, dass das von Staatschef Sarkozy auf den Weg gebrachte Rettungspaket womöglich noch einmal aufgeschnürt werden muss. Stein des Anstoßes ist die den Empfängern gemachte Auflage, in Frankreich keine Werke zu schließen und die Produktion nicht ins osteuropäische Ausland zu verlagern. In Brüssel und Prag stößt diese Klausel auf erhebliche Vorbehalte. EU-Wettbewerbskommissarin, Neelie Kroes sieht in ihr eine Wettbewerbsverzerrung. Kroes hat eine Überprüfung des Hilfspakets angekündigt. Ein Sprecher der EU-Kommissarin nannte die der französischen Autoindustrie gemachte Auflage "illegal".Frankreichs Europa-Staatssekretär Bruno Le Maire nahm Präsident Nicolas Sarkozy wiederum vor den in Brüssel und Prag erhobenen Vorwurf des Protektionismus in Schutz. Hiervon könne keine Rede sein, sagte Le Maire dem Radiosender France-Info. Protektionismus heiße, Importhürden zu errichten, ausländische Waren mit Zöllen zu belegen. Hilfen für die heimische Industrie an die Bedingung zu knüpfen, dass der Empfänger die Produktion im eigenen Land belasse und nicht ins Ausland verlagere, habe mit Protektionismus nichts zu tun. Im Übrigen griffen sämtliche EU-Staaten zum Schutz ihrer Industrie und zum Erhalt ihrer Arbeitsplätze zu ähnlichen Maßnahmen.Wirtschaftsministerin Christine Lagarde zeigte sich deutlich zurückhaltender. Die Politikerin warnte davor, in der gegenwärtigen Krise das Heil im Protektionismus zu suchen. Protektionistische Maßnahmen würden alles nur noch schlimmer machen. Die Ministerin bekundete ihre Bereitschaft, ihrem neuen deutschen Kollegen, Karl-Theodor zu Guttenberg, den Rettungsplan zu erläutern. Guttenberg hatte gesagt, er stehe dem Plan "nicht ganz kritiklos" gegenüber.Peugeot Citroen stellte gestern vorsichtshalber noch einmal klar, dass die dem Konzern zugedachten zinsgünstigen Kredite über drei Milliarden Euro dringend gebraucht werden. Der Finanzierungsbedarf der Gruppe belaufe sich auf insgesamt vier Milliarden Euro, ließ der Autobauer wissen.------------------------------Grafik: PKW-Zulassungen 2008------------------------------Grafik: Aktienkurs Peugeot------------------------------Foto: Peugeot mit Markenzeichen: herbe Verluste in der Bilanz, harsche Kritik aus Brüssel.

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