Vor genau einem Jahr hat eine vermeintliche Löwin die Gemeinde Kleinmachnow, südwestlich von Berlin, in Aufruhr versetzt. Nach rund 30 Stunden polizeilicher Fahndung, stellte sich heraus, dass die Polizei einem Wildschwein statt eines Löwen hinterherjagte. Der Einsatz sorgte international für Spott.
Aktuell machen erneut Bilder und Videos aus den Wohngebieten die Runde – allerdings von plündernden Wildschweinen. Von den Tieren gibt es in Kleinmachnow viel mehr als den Bürgern lieb ist. Ganze Rotten sind auf der Suche nach Futter und durchwühlen Mülltonnen.
Wildschweine in Kleinmachnow: „Viel Lärm und Tonnenschmeißen“
„Heute Nacht wieder viel Lärm und Tonnenschmeißen“, schrieb Bewohnerin Barbara Schlesinger in einer Facebook-Gruppe. Bürger testen mittlerweile, mit welchen Schlössern sie ihre Müllbehälter am besten schützen können. Auch mit Spanngurten an den Tonnen wird experimentiert.
Der Unmut in der Bevölkerung steige wieder, sagte Schlesinger. Die tagtäglichen Begegnungen mit Wildschweinen, Lärm und Dreck durch geplünderte Mülltonnen sowie umgewühlte Grünflächen und Kot auf den Wegen mehrten sich.
Jagdpächter sollen Probleme eindämmen
Zwei neue Jagdpächter in Stahnsdorf-Kleinmachnow sollen „das Verhältnis Mensch-Wildschwein“ nun wieder in ausgewogene Bahnen lenken, wie die Gemeindeverwaltung im Juni mitteilte. Die Wildschweine sollen aus den Wohngebieten heraus- und in den Wald hineingelockt werden, um dann eine Bejagung zu ermöglichen, hieß es.
Die Jagdpächter wollen vor allem auch Problemtiere ausfindig machen, „bevor sie auch noch dem Nachwuchs die Dummheiten beibringen, mit denen sie bereits für reichlich Ärger sorgen“. Es gebe verzogene Tiere, die keinen natürlichen Abstand mehr einhielten, so die Gemeinde. Nach Schätzungen eines Jagdpächters leben um die 600 Wildschweine in der Region.
Keinmachnows Löwen-Safari hat Folgen für Tierhaltung
Die Löwen-Jagd im vergangenen Sommer in Kleinmachnow hat jedenfalls Handlungsbedarf für die Tierhaltung ausgelöst. Das Land zieht mit einer Gefahrtier-Regelung nach, die es in anderen Bundesländern bereits gibt. Gefährliche und wildlebende Tiere, die Menschen oder andere Tiere verletzen oder töten können, dürfen dann nicht mehr gehalten werden. Dazu zählen Giftschlangen und Giftspinnen, aber auch Großkatzen aller Art. Wann genau die Gefahrtier-Verordnung kommt, war aber offen.
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