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Nach Tod von Charlie Kirk: Er war kein Heuchler

Charlie Kirk vertrat kontroverse Thesen. Aber er war jemand, der diskutieren und auch den Widerspruch wollte. Nun wurde er ermordet.

Johanna Freymann
4 Min
Charlie Kirk wurde am 10. September 2025 ermordet

Charlie Kirk wurde am 10. September 2025 ermordet

© IMAGO/Charles McClintock Wilson

Man kann die Welt der öffentlichen Figuren in Heuchler und Nicht-Heuchler einteilen. Dabei empfinde ich die einflussreichen Heuchler – egal ob rechts oder links auf dem politischen Spektrum – als die eigentliche Gefahr für uns alle. Für Journalisten sollte es in der Berichterstattung immer auch darum gehen: Meint dieser oder jener Politiker oder Aktivist es ernst mit den Bekundungen, geht es ihr oder ihm um die Menschen und die Sache – oder nur um sich selbst und die eigene Macht?

Charlie Kirk war kein Heuchler.

Bei uns ist es nicht besser

Das Problem der Waffengewalt in den USA geht nicht weg, aber auch dieses Attentat wird nicht dazu führen, dass Republikaner ihre Einstellung ändern, dass jeder volljährige Amerikaner das Recht auf privaten Waffenbesitz haben soll. Das macht die USA zu einem besonders gefährlichen Ort in jedem Konflikt, privat oder öffentlich. Andererseits stand gerade Charlie Kirk für einen Dialog zwischen den politischen Fronten. Er reiste von Uni-Campus zu Uni-Campus und diskutierte mit den Studenten, ließ sich auf jede Debatte ein.

Diese Offenheit fehlt mir hier. In Deutschland gibt es eine prädominante Meinung, und die Nazi-Keule funktioniert weiterhin. So weit, dass auch konservative Mehrheiten nicht zu einer konservativeren Politik führen. Und das Unglaubliche an unserer Demokratie: Eine auf kaum mehr zweistellige Werte geschrumpfte SPD will eine vermeintlich rechts-extreme AfD einfach verbieten. Was will sie mit ungefähr einem Viertel der gesamten deutschen Wählerschaft anfangen? Einsperren? Canceln?

In Amerika gibt es zwei ähnlich große Lager links und rechts der Mitte – und beide bekämpfen sich mit politischen Mitteln und leider, wie im Fall Charlie Kirk, auch mit Gewalt. Aber es gibt die beiden Lager immerhin noch, sie haben beide ein Existenzrecht und eine Stimme. Und noch ein Unterschied...

Die Werte

Während der christliche Nationalismus in den USA ein schreckliches Phänomen ist, nämlich der Glaube, die wahren (und besseren) US-Amerikaner seien weiße Christen, gibt es doch auch einen biblischen Evangelikalismus. Diesem gehörte Charlie Kirk an. Er glaubte, dass Jesus Christus mit seiner Liebe für alle Menschen, seiner Offenheit allen Meinungen gegenüber und seiner Gewaltlosigkeit der wahre Weg ist. Das erklärte er immer wieder. In einem Interview mit dem britischen Journalisten Ben Leo auf GB News in diesem Jahr erklärte er, was unser Problem hierzulande ist:

„You get rid of Christianity and then you get a substitute form of earth-worship. You get rid of Christianity and then you get a substitute form of anti-racism. You get rid of Christianity and then – even more dangerous – you go from secularism to Islam, because you feel: we have to believe in something, and then you bring in an ideology which is completely different from Western values.“

(Man verliert hier den christlichen Glauben und ersetzt ihn mit einer Ersatzreligion, nämlich der Anbetung der Natur. Man verliert den christlichen Glauben und ersetzt ihn stattdessen mit Anti-Rassismus. Man verliert den christlichen Glauben und dann – sogar noch gefährlicher – ersetzt man das Säkulare mit dem Islam, weil man denkt: Wir müssen doch an irgendetwas glauben. Und damit bringt man eine zu unseren westlichen Werten komplett gegensätzliche Ideologie hierhinein.“) (Übersetzung J.F.)

Die Legacy

Mit seinen 31 Jahren hinterlässt Kirk eine Ehefrau und zwei kleine Kinder, sowie die konservative Studentenplattform „Turning Point USA“, die er gründete. Charlie Kirk war maßgeblich mit für die jungen Wähler Trumps im November 2024 verantwortlich. Was er allerdings übersah, war die Diskrepanz zwischen seinen eigenen christlichen Werten und dem Charakter seines Präsidenten Donald Trump. Dieser äußert sich zum Beispiel mit Genuss über die grausame Art der Festnahmen und Deportationen von katholischen (also ebenfalls christlichen) Einwanderern aus Mittel- und Südamerika. Er war sehr wahrscheinlich in die üblen Machenschaften des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein verwickelt und: Trump verhilft Amerika mit seiner Wirtschaftspolitik nicht zur versprochenen Größe. Aber bei aller Heldenverehrung unterschied sich Charlie Kirk doch von anderen MAGA-Anhängern. Bei seinen Diskussionen mit Studenten ging es immer wieder um seinen persönlichen Glauben, und immer wieder betonte Kirk „Jesus Christ is King“.

Nach diesem Glauben ist Charlie Kirk nun bei seinem König, aber seine Ermutigung an Studenten, zu heiraten, Familie zu gründen, die USA zu lieben und für eine bessere Gesellschaft zu arbeiten, werden nachhallen.

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