Nach Trainer-Entlassung

Alba will Saison bestmöglich beenden

Basketballer versuchen, Playoffs mit dem vorhandenen Personalbestand zu erreichen.

Christian Schwager
4 Min
Nicht begeistert: Albas Cheftrainer Ahmet Caki.

Nicht begeistert: Albas Cheftrainer Ahmet Caki.

© dpa

Sie werden weiter miteinander zu tun haben, ob sie nun wollen oder nicht. Schließlich besitzt Ahmet Caki einen Vertrag mit Alba Berlin bis zum Sommer 2018. Es wird nun über die Modalitäten der vorzeitigen Trennung zu verhandeln sein. Unabhängig davon gehen Klub und Coach ab sofort getrennte Wege. Mit Ahmet Caki hat auch sein Assistenzcoach Fatih Emre Gezer am Dienstagabend Alba verlassen.

Der zweite Assistent Thomas Päch übernimmt bis zum Ende der Saison die Mannschaft. Sebastian Trzcionka rückt in den Trainerstab auf, der zuletzt beim Farmteam Lok Bernau in der zweiten Liga Pro B für Albas Doppellizenzler zuständig war. Konstantin Llwowski soll noch stärker eingebunden werden, er steht an der Spitze des Jugendprogramms beim Berliner Bundesligisten. Und natürlich Sportdirektor Himar Ojeda, der bei Cakis Verpflichtung ein ebenso gewichtiges Wort mitzureden hatte wie jetzt bei dessen Entlassung.

"Überzeugungsfrage"

Am Morgen danach klingt alles nach einem Missverständnis. Albas Geschäftsführer Marco Baldi spricht von einer „Überzeugungsfrage“. Er sagt: „Wir haben es über acht Monate nicht ansatzweise hinbekommen, konstant zu spielen.“ Fazit: „Wir hätten die Saison mit Ahmet Caki zu Ende spielen können, aber ich sehe Sport so, dass man bis zur letzten Sekunde alles versucht.“

In anderthalb Wochen beginnen die Playoffs um die Deutsche Meisterschaft. Bereits an diesem Sonnabend treten die Berliner bei den Skyliners in Frankfurt an, am Montag kommt zum Abschluss der Hauptrunde Ludwigsburg in die Arena am Ostbahnhof. Am zurückliegenden Dienstagabend wiederum rückte der Tabellensiebte Oldenburg mit einem 92:51-Sieg in Jena an den Sechsten Berlin heran, für den gleichwohl Platz fünf in Reichweite liegt. Voraussetzung sind Siege sowie eine Strategie und eine Einsatzbereitschaft, die dazu führen.

Leistungsschwankungen einzelner Spieler wirken auf ganze Mannschaft

Thomas Päch kennt die Spieler sehr gut, teilweise noch aus der vergangenen Saison. Der 34 Jahre alte Berliner hat den Aufbau der Mannschaft von Beginn an intensiv begleitet. Ahmet Caki stieß später von Anadolu Efes dazu, erklärte am Anfang seiner Amtszeit bei Alba, die laufende Saison als eine Saison des Übergangs und der Entwicklung nutzen zu wollen, um später einen Kern des Teams um Spieler zu ergänzen, die zu seiner Vorstellung von Basketball passen.

Das taten im aktuellen Kader offenbar nicht alle. Albas Leistungsschwankungen hingen mit den schwankenden Leistungen einzelner Akteure zusammen. Cakis Vorstellungen von einer Verteidigung schien nicht jeder gerecht werden zu können, der Coach blieb dennoch bei seinem Defensivsystem. Und so blieben auch Abstimmungsprobleme und Reboundschwäche. Einerseits, andererseits litt Alba unter Verletzungspech. Der Ausfall der beiden Center Elmedin Kikanovic und Bogdan Radosavljevic etwa fiel in eine entscheidende Saisonphase um den Jahreswechsel. Zugleich wirkte das Auftreten einzelner Profis mitunter seltsam unmotiviert, augenfällig bei der 95:72-Niederlage in Bonn, beim Tabellennachbarn, der an Alba vorbeizog. Baldi betont zwar, zwischen Trainer und Team „ist nichts vorgefallen“. Er sagt aber auch: „Der Trainer ist derjenige, der die Ausrichtung bestimmt und durchsetzen muss.“

Zu wenig Zeit für neuen Trainer

Bereits jetzt einen Coach von außen zu verpflichten, erschien Baldi und Ojeda als der falsche Weg. „Ein neuer Trainer muss die Chance haben, seine eigene Handschrift zu entwickeln.“ Die Zeit dazu wäre zu kurz, der Erfolgsdruck zu hoch. Spekulationen haben dennoch Konjunktur, je wilder, desto besser offenbar. Denis Wucherer etwa wird unter Fans gehandelt, vielleicht weil er in Gießen mit bescheidenen Mitteln einen Aspiranten für die Playoffs formte und nun den Klub verlässt. Baldi sagt: „Wer als neuer Trainer kommt, werden wir sehen.“

Welche Spieler bleiben, wird mit davon abhängen. Neben den Saison-Engagements ausländischer Akteure laufen auch längerfristige Verträge aus wie die von Niels Giffey oder Ismet Akpinar. Einen Grund, bei Alba, alles auf den Prüfstand zu stellen, sieht Baldi nicht: „Wir wissen, wer wir sind und wo wir hinwollen“, sagt der Geschäftsführer.

Tony Gaffney scheint das ebenfalls klar zu sein. Ein Eintrag auf Instagram jedenfalls lässt diesen Schluss zu. Albas Power Forward hat dort gestern ein älteres Foto aus der Saison gepostet, am Tag nach der Trainerentlassung. Es zeigt ihn mit Berliner Kollegen in entspannter Atmosphäre, freundlich lächelnd. „Der beste Teil der Saison beginnt jetzt.“ Was zu beweisen wäre. Von Gaffney und seinem Alba-Team.

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