Der US-Senator Bernie Sanders hat ein Interview mit dem Sender ABC beinahe abgebrochen, nachdem er eine Frage des Moderators Jonathan Karl als „Unsinn“ bezeichnet hatte. Karl wollte von dem Politiker wissen, ob er sich dafür ausspreche, dass die demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez, auch als AOC bekannt, für ein Amt im US-Senat kandidieren solle.
Zunächst lobte Sanders Ocasio-Cortez in dem Gespräch und nannte sie „außergewöhnlich“. „Ich bin so beeindruckt von ihrer Arbeit im Kongress – sie inspiriert junge Menschen im ganzen Land“, so der erfahrene Politiker, der als unabhängiger Senator den US-Bundesstaat Vermont vertritt. Karl fragte anschließend, ob er die Politikerin „gerne im Senat sehen“ wolle. Daraufhin stand Sanders auf und verließ das Kamerabild. „Im Moment haben wir, wie gesagt, einfach eine ganze Menge Leute im Kongress. Okay, Jonathan, danke“, sagte er demnach.
Mehrere US-Medien, darunter die New York Times, hatten über Spekulationen berichtet, wonach Ocasio-Cortez als Kandidatin für den New Yorker Senatssitz des derzeitigen demokratischen Minderheitenführers, Chuck Schumer, gilt. Dieser hatte zuvor ein Gesetz der Republikaner zur Haushaltsfinanzierung unterstützt, um einen Shutdown der Regierung abzuwenden. Einige Demokraten forderten daraufhin seinen Rücktritt. „Das ist noch lange hin“, sagte Schumer laut der Zeitung über eine mögliche Kandidatur von Ocasio-Cortez. Derzeit konzentriere er sich darauf, die Umfragewerte Trumps zu senken.
Sanders während des Interviews: „Dann machen Sie Unsinn“
Nachdem Sanders das Interview zunächst verlassen hatte, bat Karl ihn, zurückzukehren und das Gespräch fortzusetzen. Dieser weigerte sich zunächst. „Nein, ich habe Sie gefragt – Nein, Sie wollen Unsinn machen, dann machen Sie Unsinn“, so Sanders. „Ich möchte nicht über Dinge innerhalb des Beltway reden.“ Der oft abschätzig gebrauchte Ausdruck „inside the Beltway“ bezeichnet den inneren Kreis der Politiker, Lobbyisten, Berater und Medienvertreter in der US-Hauptstadt Washington.
„Ich habe Sie nur nach AOC gefragt, weil sie mit Ihnen da draußen war“, antwortete Karl. Sanders und Ocasio-Cortez treten derzeit gemeinsam bei Kundgebungen unter dem Titel „Fighting Oligarchy“ auf. Zu vergangenen Veranstaltungen kamen teils zehntausende Teilnehmer, laut Medienberichten sprachen die beiden Politiker etwa am vergangenen Freitag in der Stadt Denver vor mehr als 30.000 Menschen. Laut Sanders ist das Ziel der Kundgebungen, „echte Diskussionen“ über ein Vorgehen gegen Oligarchen und Konzerninteressen zu führen, „die so viel Macht und Einfluss in diesem Land haben“.
„Na ja, wissen Sie, gut, aber darüber möchte ich nicht reden“, sagte Sanders und erlaubte Karl eine letzte Frage dazu, ob er je wieder für das Amt des US-Präsidenten antreten wolle. Sanders wies die Frage zurück. „Ich bin 83 Jahre alt. Und ich bin müde.“ In den Jahren 2016 und 2020 war Sanders in der demokratischen Präsidentschaftsvorwahl angetreten, unterlag jedoch Hillary Clinton beziehungsweise Joe Biden.
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