„Mir fehlen die Worte. Wir haben jetzt das geschafft, was wir uns vorgenommen haben und sind im Halbfinale. Jetzt wollen wir natürlich noch mehr“, sagte Abwehr-Hüne Patrick Wiencek nach dem Spiel. Und Bundestrainer Christian Prokop merkte an: „Das war heute eine ganz harte Prüfung. In so einer Drucksituation zu bestehen, darauf bin ich unheimlich stolz.“
Bei aller Begeisterung: Die Gedanken der deutschen Handball-Helden waren auch bei ihrem Teamkollegen Martin Strobel, der in der Auseinandersetzung mit den Kroaten ein persönliches Drama erlebt hatte. Der Spielmacher war während einer Offensiv-Aktion gegen Luka Stepancic weggeknickt und musste von der Platte getragen werden. Im Krankenhaus bestätigte sich dann die Felddiagnose: Innenbandriss. Weiter wurde ein Riss des vorderen Kreuzbandes festgestellt.
Leidvolles Gesicht
Mit leidvollem Gesicht lag der Balinger auf der Platte, hielt sich das Knie und schrie vor Schmerzen. Ein Schock-Moment für alle, die in der Halle und am Fernseher mitfieberten. Christian Prokop schlug an der Seitenlinie die Hände vor dem Gesicht zusammen und konnte sich das Elend gar nicht ansehen: „Es war ganz schlimm, als man ihn auf die Trage gehoben hat, weil er vor Schmerzen geschrien hat.“
Auf dem Spielfeld steckte das deutsche Team den Vorfall erstaunlich gut weg. „Danach waren wir noch fokussierter und wollten unbedingt gewinnen. Das haben wir dann ja auch geschafft“, erklärte Rückraumspieler Fabian Wiede seine Gefühlslage. Das Glücksgefühl hatte nach dem Sieg hatte jedoch einen bitteren Beigeschmack. „Als wir in die Kabine gegangen sind, stand Martins Verletzung wieder im Vordergrund. Da konnte man das nicht mehr verdrängen“, sagte Steffen Weinhold.
Den Tränen nah
Strobel, der bis dahin ein starkes Turnier gespielt hatte, bekam von dem Erfolg nicht mehr viel mit. Erst zum Abendessen stieß er wieder zur Mannschaft und verabschiedete sich mit einer mitreißenden Rede von seinen Mitspielern. Ein bewegender Moment, der viele zu Tränen rührte. Hendrik Pekeler sprach von „Pipi in den Augen“ und lobte gleichermaßen den Teamgeist Strobels, der der Mannschaft für die nächsten Aufgaben ermutigte. „Es spricht für ihn, dass er in einer solchen Situation den Kopf oben behält“, sagte Pekeler. Der Bundestrainer konnte sich da nur anschließen: „Martin ist ein absoluter Teamplayer mit sehr großem Ansehen in der Mannschaft. Er hat auch menschlich seine Qualitäten gezeigt und sich bei der Mannschaft für die geile Zeit bedankt und uns mit Mut nach Hamburg verabschiedet. Jetzt wollen wir für ihn fighten.“
Als Ersatz für Strobel hat Prokop Tim Suton nachnominiert, der heute anreist und im letzten Hauptrundenspiel gegen Spanien sein erstes Spiel bei einer Weltmeisterschaft bestreiten wird. Sein Mannschaftskollege Steffen Fäth traut dem Lemgoer die schwere Aufgabe durchaus zu: „Tim ist natürlich noch ein sehr junger Spieler. Ich hoffe, dass er jetzt einfach zu uns stößt und die gleiche Leistung bringt, die er auch in der Bundesliga zeigt. Dann kann er uns bestimmt sehr viel helfen.“
Schwierige Phasen
Obwohl es bei der Begegnung um nichts mehr geht, will sich die deutsche Mannschaft gebührend aus Köln verabschieden. „Das, was in Berlin los war, war schon überwältigend. In Köln sind die paar tausend mehr in der Halle dann aber schon spürbar. Die Fans haben uns in den schwierigen Phasen getragen und dafür wollen wir uns bedanken“, bemerkte Paul Drux anerkennend.
Wie schon in der Vorrunde gegen Serbien können die Spieler dennoch ein paar Kräfte schonen. Spanien ist dabei allerdings nicht unbedingt der angenehmste Gegner. Mit ihrer robusten Abwehr und vielen daraus resultierenden Gegenstößen drücken die Iberer ordentlich aufs Tempo. Ein Grund mehr, noch einmal ein paar Dinge auszuprobieren, um in Hamburg gefestigter auftreten zu können. Denn bei all der Freude haben die letzten Spiele einige Defizite aufgezeigt.
Schwache Wurfausbeute
Die Wurfausbeute ist ausbaufähig und wurde bisher nur von der exzellenten Abwehr aufgefangen. Gegen Kroatien blieben die Deutschen beispielsweise neun Minuten ohne Tor und verspielten sich damit fast den sicher geglaubten Sieg. Soll es mit dem Traum vom WM-Gold weitergehen, so muss an dieser Sollstelle dringend gearbeitet werden. Mit der Unterstützung der Fans sollte das aber kein Problem sein.
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