Nachbesserung bei Mindestlöhnen möglich

IG Bau droht mit wochenlangen Streiks

Matthias Loke
2 Min

BERLIN, 17. Juni. Mehr als 8 000 Beschäftigte haben sich am Montag am Auftakt des ersten Arbeitskampfes der Bauwirtschaft in der deutschen Nachkriegsgeschichte beteiligt. Schwerpunkte des Streiks waren Berlin, Hamburg und das Ruhrgebiet. In Berlin wurden unter anderem die Baustellen Dom-Aquaree, Palast der Republik und am Leipziger Platz bestreikt. Gewerkschaftschef Klaus Wiesehügel kündigte in Berlin an, den Arbeitskampf Schritt für Schritt ausweiten und über längere Zeit durchhalten zu können, wenn die Arbeitgeber kein verhandlungsfähiges Angebot vorlegten. Für eine Lohnsteigerung von effektiv 1,75 Prozent "schließt unsere Gewerkschaft keinen Tarifvertrag ab", sagte er. Die Gewerkschaft fordert Lohnerhöhungen von 4,5 Prozent und höhere Mindestlöhne vor allem im Osten. Daran waren die Verhandlungen und die Schlichtung letztendlich gescheitert. Die Arbeitgeber machten allerdings deutlich, dass man bei den Mindestlöhnen noch nachbessern könnte. Kritik der WirtschaftsforscherWirtschaftsforscher kritisierten den Arbeitskampf der IG Bau erneut massiv. Rüdiger Pohl, Chef des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle nannte den Streik eine "verzweifelten Reaktion der bedrängten Baugewerkschaft". Die Folgen eines von der Gewerkschaft durchgesetzten Abschlusses seien absehbar. Die Abwärtsspirale im Bausektor werde sich beschleunigen, immer mehr Firmen würden aus der Tarifbindung flüchten. Irgendwann werde die IG Bau nach dem Staat rufen, sagte Pohl. "Der soll dann durch Tariftreuegesetze und Kontrollen auf Baustellen den ausgehöhlten Flächentarifvertrag retten. Das lässt er dann hoffentlich sein."Ullrich Heilemann, Konjunkturchef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung, sagte, Verlierer des Arbeitskampfes würden alle Beteiligten sein: Unternehmen drohe die Insolvenz, Arbeitnehmer müssten mit Jobverlusten und Bauherren mit höheren Preisen rechnen. Unter Bezug auf die gesamte Tarifrunde 2002 sagte Heilemann, es mache Sorge, dass insgesamt Lohnerhöhungen vereinbart wurden, die das Wachstum gefährden könnten.Wirtschaft Seite 26

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