Widerstand gegen den geplanten Bau neuer Wohnungen gibt es an vielen Orten der Stadt – nun auch, zumindest indirekt, am Flughafen Tegel (TXL). Die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus hat sich auf ihrer Klausurtagung am Wochenende dafür ausgesprochen, dass die industrielle Nachnutzung des Areals nach Einstellung des Flugbetriebs „unbedingte Priorität“ genießen muss. Zwar könnten in Tegel auch neue Wohnungen entstehen, wie bisher geplant. „Prioritär“ sollten aber die vorhandenen Wohnungsbaupotenziale „im Umfeld von Berlin TXL“ entwickelt werden.
Forschungs- und Industriepark Tegel
Mit dem Beschluss stärkt die CDU-Fraktion Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) den Rücken, die eine Anhängerin der Nachnutzung Tegels als Forschungs- und Industriepark ist. Die Pläne von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) für noch mehr Wohnungen in Tegel erhalten dagegen einen Dämpfer. Zwar will die Union wie die SPD Wohnungen in Tegel errichten lassen. Doch soll dies nur dann geschehen, wenn die industrielle Nutzung „in keiner Weise beeinträchtigt“ wird – Wohnungen und Industriebetriebe vertragen sich wegen des Lärms nur bedingt.
Die CDU kommt mit ihrem Vorstoß kurz vor der geplanten Änderung des Flächennutzungsplans zugunsten von 12.000 weiteren Wohnungen in Berlin, von denen ein Großteil in Tegel geplant ist. Ab 2.?Juni liegen die Pläne der Stadtentwicklungsverwaltung zur Öffentlichkeitsbeteiligung aus.
Studentencampus denkbar
Während die Stadtentwicklungsbehörde nach den neuen Plänen im Kurt-Schumacher-Quartier am Flughafen Tegel bis zu 5000 Wohnungen errichten will, sieht die CDU dort Platz für 2500 bis 3000 Wohnungen. Weitere 1500 bis 2000 Wohnungen könnten laut CDU in „Sondergebieten für besonders lärmresistente Wohnformen“ entstehen. Denkbar ist laut CDU ein internationaler Studentencampus in der Nähe zum Forschungs- und Industriepark.
Anders als die Stadtentwicklungsbehörde will die CDU eine eher lockere Bebauung, keine einheitliche Blockrandbebauung, wie sie mit den Plänen für das Olympische Dorf in Tegel von Senator Geisel präsentiert wurde. Die Stadtentwicklungsverwaltung hält an ihren Plänen fest. „Wir bleiben dabei, dass es eine konzentrierte Entwicklung geben soll“, sagte Behördensprecher Martin Pallgen. Die Industrie- und Handelskammer begrüßte dagegen die „Fokussierung auf die industrielle Nachnutzung“ Tegels.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de
