Zwischen Bürgeramt und Sitzungssaal soll nach dem Willen eines Mannheimer Stadtrats bald eine Swingerparty stattfinden. Julien Ferrat hält das Rathaus für den idealen Veranstaltungsort und kündigt bereits den Gang vors Bundesverfassungsgericht an.
Der 35-Jährige, der für die Wählergemeinschaft Die Mannheimer im Gemeinderat sitzt, lädt zu einer Veranstaltung unter dem Motto „Ein FKK-Swinger-Paradies für Mannheim“ ein. Nach eigenen Angaben handelt es sich um eine politische Protestaktion.
„Das Rathaus ist zentral gelegen und somit für Swingerpartys perfekt geeignet. Es gibt keine Hausordnung oder kommunale Satzung, die Swingerpartys im Rathaus explizit verbietet“, erklärt Ferrat in einer Pressemitteilung.
Notfalls zieht Ferrat vor das Bundesverfassungsgericht
Sollte die Stadt Mannheim die Veranstaltung untersagen, will der Kommunalpolitiker den Rechtsweg beschreiten. „Notfalls ziehe ich bis vor das Bundesverfassungsgericht“, kündigt er an. Der „Ansatz einer politischen Swingerparty“ sei „juristisches Neuland“, argumentiert Ferrat.
Eine höchstrichterliche Rechtsprechung dazu, ob eine Swingerparty im Rathaus im Rahmen eines kommunalen Mandats zulässig sei, gebe es bislang nicht. Sollte das Vorhaben letztinstanzlich scheitern, werde die Veranstaltung in private Räume verlegt. „Die Party findet also auf jeden Fall statt.“
FKK-Swingerparty soll Stadtkasse füllen
Nach eigenen Angaben verfolgt Ferrat mit der Aktion ein wirtschaftspolitisches Anliegen. Ein „FKK-Swinger-Paradies in Mannheim“ würde „jährlich Millionen in die Stadtkasse spülen“, meint der Stadtrat. Als Vorbild nennt er das Village Naturiste im südfranzösischen Cap d’Agde.
Dort werden nach seiner Darstellung unter anderem über Zutrittskarten sowie kommunale Unternehmensabgaben erhebliche Einnahmen erzielt. Mit seiner Protestaktion wolle er dieser kommunalpolitischen Forderung Nachdruck verleihen.
Mannheims Stadtrat Julien Ferrat von der Wählervereinigung Die Mannheimer plant ein Trainingscamp am örtlichen FKK-Strand für einem FKK-Swinger-Urlaub in Frankreich.
© Uwe Anspach/dpa
Wiederholte Provokation
Es ist nicht das erste Mal, dass Ferrat mit FKK- und Swinger-Aktionen bundesweit Aufmerksamkeit erregt. Bereits im vergangenen Jahr lud er im Mannheimer Amtsblatt zu einer „politischen Bildungsfahrt“ ins französische Cap d’Agde ein. Das Village Naturiste gilt als einer der bekanntesten Treffpunkte für Nudisten und Swinger in Europa.
Ferrat bezeichnete den Ort damals als Vorbild für kommunale Tourismusförderung. Die Reise sorgte bundesweit für Schlagzeilen und löste scharfe Kritik aus der Kommunalpolitik sowie vom Deutschen Verband für Freikörperkultur aus.
Angebot einer Nackt-Sprechstunde
Schon im Kommunalwahlkampf hatte Ferrat auf Provokation gesetzt. Für seine Kandidatur ließ er sich nackt fotografieren und bedeckte lediglich Teile seines Körpers mit den Händen.
Sein Wahlversprechen lautete damals: „völlige Transparenz“. Auch eine Nackt-Sprechstunde und weitere öffentlichkeitswirksame Aktionen gehören zu seinem politischen Stil.
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