Ratgeber

Profi-Tipps: Das hilft wirklich gegen Nacktschnecken im Garten

Bierfallen, Fadenwürmer, Schneckenkragen, Kaffeesatz: Wer Nacktschnecken loswerden will, greift zu allerhand Tricks. Wirklich sinnvoll sind die wenigsten.

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Grünes Futter mögen sie mindestens so sehr wie wir: Nacktschnecken am Salatbüfett

Grünes Futter mögen sie mindestens so sehr wie wir: Nacktschnecken am Salatbüfett

© Fotoillustration: Roshanak Amini für Berliner Zeitung am Wochenende. Bilder: imago

Der Frust ist groß, wenn man mit Mühe zarte Gemüsepflänzchen vorgezogen hat – und dann sind über Nacht nur noch die Stiele übrig, weil Nacktschnecken die kleinen Blätter abgefressen haben.

In Internet-Foren werden eifrig Tipps ausgetauscht, es gibt unzählige Meinungen, Erfahrungen und Ratschläge. Ein bisschen unklar bleibt meist, was denn nun wirklich hilft gegen die gefräßigen Schleimer.

„In heimischen Kleingärten sind hauptsächlich die Spanische Wegschnecke, die Gartenwegschnecke und die sogenannte Genetzte Ackerschnecke unterwegs“, schreibt das Magazin Ökotest und stellt klar: „Die meisten Gehäuseschnecken richten praktisch keinen Schaden an – sie ernähren sich vor allem von totem Pflanzenmaterial und nicht von jungem Gemüse.“

Vorsicht bei Schneckenkorn

Um Schnecken loszuwerden, verteilen manche Garten-Fans Schneckenkorn in den Beeten. „Doch obwohl manche Hersteller auf Verpackungen mit Formulierungen wie ‚schont Igel und andere Nützlinge‘ werben, kann der Inhalt für Tiere und Kleinkinder gefährlich werden“, schreibt die Verbraucherzentrale.

Denn: „Die dem Schneckenkorn zugesetzten Bitterstoffe stellen offenbar keinen ausreichenden Schutz vor dem Verzehr durch Tiere und Kleinkinder dar.“ Es seien schon entsprechende Notrufe bei der Giftzentrale eingegangen. Vor allem Hunde und Kinder seien gefährdet.

Deshalb warnt die Verbraucherzentrale vor unbedachtem Gebrauch von Schneckenkorn mit Metaldehyd. Es gibt aber eine Alternative, wie das Umweltbundesamt erklärt: „Wer als akute Notfallhilfe unbedingt zu Schneckenkorn greifen möchte, sollte Produkte mit dem Wirkstoff Eisen-III-Phosphat verwenden. Der schadet der Umwelt am wenigsten.“

Umweltbundesamt rät, Fressfeinde anzusiedeln

„⁠Nacktschnecken stehen ganz oben auf der Speisekarte vieler Tiere. Wo sich Igel, Eidechsen, Kröten und Vögel wohlfühlen, haben es Nacktschnecken nicht leicht“, weiß das Umweltbundesamt.

Wer also seinen Garten naturnah gestaltet, Totholzecken anlegt, Blätterhaufen aufschichtet, vielleicht einen Wassertümpel hat, schafft Lebensräume für all jene Tiere, die Nacktschnecken gern verspeisen.

Auch Wildobsthecken und Trockenmauern sind ein Refugium für die Fressfeinde. Je mehr von denen bei Ihnen leben, desto mehr Nacktschnecken werden vertilgt. Sorgen Sie also für mehr Unordnung und Abwechslung.

Ein weiterer, besonders possierlicher Feind der Nacktschnecken sind Laufenten. Sofern Sie also den Platz und die Möglichkeit haben, Laufenten zu halten, sind Nacktschnecken in Ihrem Garten kein Problem mehr.

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Fadenwürmer als natürliche Schneckenbekämpfer

Sobald man danach googelt, was wirklich gegen Nacktschnecken hilft, stößt man relativ schnell auf Fadenwürmer, sogenannte Nematoden, die parasitär leben. „Sie sind für Menschen und Haustiere vollkommen ungefährlich, dafür befallen sie Nacktschnecken, um sich in ihrem Inneren zu vermehren. Das (…) ist sicher, unkompliziert und (…) sehr effektiv“, so das Umweltbundesamt.

Allerdings werden von den Nematoden nicht nur die unerwünschten Nacktschnecken getötet, sondern auch einige Schneckenarten, die überaus nützlich sind, darunter die sogenannten Schnegel, die ihrerseits Nacktschnecken fressen, aber unsere Pflanzen verschonen. Daher sollte man auch die Fadenwürmer „nur im Notfall“ einsetzen.

Bierfallen funktionieren gegen Schneckenplage

Ein Becher oder ein Topf mit Bier in den Boden einlassen – und schon bald ist das Schneckenproblem erledigt. Ja, das klappt. Bier riecht verlockend für die Schnecken. Und genau das ist das Problem, denn Bier zieht nicht nur die lästigen Nacktschnecken, sondern auch die harmlosen und teilweise sogar geschützten Gehäuseschnecken an.

Hinzu kommt: „Auch für die Schnecken in Nachbars Garten riecht das Bier verlockend – schlussendlich ziehen Sie mit dieser Methode deutlich mehr Schnecken an als ohne die Bierfalle“, erklärt Ökotest.

Zudem würden die Schnecken im Bier ertrinken, ein qualvoller Tod, der „aus moralischer Sicht problematisch“ sei, so Ökotest.

Kaffee, Chili, Salz: Der Einsatz ist sogar verboten

Ob Kaffeesatz wirkt oder nicht, darüber wird heftig gestritten. Streng genommen ist es aber vollkommen unerheblich, ob Hausmittel tatsächlich funktionieren, denn: „Wer sich selbst Anti-Schnecken-Mittel zusammenbraut, handelt gegen das Gesetz“, erklärt das Umweltbundesamt.

Das gelte „auch für Pflanzenschutzmittel aus Kaffee- oder Chili-Sud. Sie können auch Nützlinge und sogar die behandelten Pflanzen in Mitleidenschaft ziehen. Das Pflanzenschutzgesetz verbietet ausdrücklich den Einsatz von Präparaten, die nicht offiziell als Pflanzenschutzmittel zugelassen, aber dazu geeignet sind, andere Organismen zu schädigen. So dürfen Hobby-Gärtner:innen auch kein Salz streuen, um Schnecken zu bekämpfen.“

Natürliche Pflanzenstärkungsmittel wie Brennnesseljauche oder Knoblauchsud sind aber erlaubt.

So machen Sie es den Nacktschnecken schwer

Nacktschnecken lieben es feucht und dunkel. Sie verstecken sich tagsüber unter Blumentöpfen und Brettern, im Rindenmulch und in Laubhaufen, um nach Einbruch der Dunkelheit hervorzukriechen und sich auf Futtersuche zu begeben.

Das ist der beste Zeitpunkt, sie abzusammeln – eine der nervigsten, aber auch effektivsten und zugleich tierfreundlichsten Methoden. Wem das zu anstrengend ist, kann sich an den Ratschlag von Ökotest halten: „Platzieren Sie für eine ‚Salatfalle‘ eine Handvoll nasse Salatblätter (alternativ Rhabarberblätter) in einer Ecke Ihres Gartens. Am nächsten Morgen werden Sie dort jede Menge Schnecken finden, die dort Unterschlupf gesucht haben. Sie müssen sie nur noch einsammeln und wegbringen.“

Nacktschnecken gelten als sehr standorttreu und sollen einen guten Orientierungssinn haben. Je nach Art können Schnecken pro Stunde bis zu drei Meter zurücklegen. Fachleute empfehlen, sie mindestens 50, besser 100 Meter weit wegzutragen.

„Entsorgen Sie die Tiere nicht lebend in der Mülltonne, im Sommer ersticken sie dort qualvoll. Ist es kühler, kriechen sie selbst durch millimetergroße Öffnungen wieder aus der Tonne heraus“, so das Umweltbundesamt.

Um es den Nacktschnecken im Garten nicht zu leicht zu machen, sollte man nicht abends gießen, denn je feuchter der Boden, desto einfacher ihr Fortkommen. Besser ist es, morgens und auch nur punktuell – nicht flächig – zu gießen.

„Sand oder Sägespäne zwingen die Weichtiere, besonders viel Schleim zu bilden“, schreibt das Bundesumweltamt. „So hindern Sie die Tiere am Vorankommen.“ Und der Nabu rät: „Ein lockerer Boden und raue Oberflächen erschweren den Tieren außerdem das Kriechen.“ Asche sollte man nicht streuen, weil sie Schwermetalle enthalten kann.

Schneckenkragen können Jungpflanzen schützen. Die Plastegefäße haben am oberen Rand einen nach außen umgestülpten Rahmen, den Nacktschnecken nicht überklettern können. Gleiches gilt für spezielle Schneckenzäune. 

Wer in Hochbeeten gärtnert, hat in der Regel weniger Stress mit Schnecken als beim klassischen Bodenanbau, einfach weil die Wege länger und beschwerlicher sind.

Allerdings kann es sein, dass man sie sich ins Hochbeet holt, wenn man selbst hergestellte Komposterde einfüllt. Denn besonders im Herbst legen sie ihre Eier gern im Kompost ab – beim Umschichten könnten diese dann im Beet landen.

Als Gärtnerin oder Gärtner weiß man, dass Mischkulturen aus vielerlei Gründen sinnvoll und gut sind. Dass sie auch im Hinblick auf die Nacktschnecken-Vergrämung helfen können, ist nicht ganz so bekannt.

„Randbepflanzungen mit Rainfarn, Ysop und Kerbel halten die Schnecken von den Beeten fern. Pflanzt man zum Beispiel die bei Schnecken sehr beliebten Tagetes, fressen sie eher diese als das Gemüse“, weiß das Umweltbundesamt. Zudem mögen Schnecken keine Pflanzen, die Haare oder Stacheln haben.

Bringen Sie also Farbe und Abwechslung ins Gemüsebeet. Das sieht nicht nur hübsch aus, sondern hilft auch bei der Schneckenabwehr. Eine Win-win-Situation also. Zu guter Letzt noch ein Hinweis der Ökotest-Redaktion: „Eine Maßnahme alleine reicht wahrscheinlich nicht aus, um die gefräßigen Tiere fernzuhalten. Kombinieren Sie mehrere Maßnahmen.“

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