Ukraine-Krieg

Nahe Kernkraftwerk: IAEA meldet „schweren Angriff“ auf Wärmekraftwerk in Saporischschja

Das Wärmekraftwerk Saporischschja wurde nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde Ziel eines Angriffs. Der Vorfall sei Anlass zu „ernster Sorge“.

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Das Kernkraftwerk Saporischschja

Das Kernkraftwerk Saporischschja

© Kateryna Klochko/AP/dpa

Das Wärmekraftwerk Saporischschja im Süden der Ukraine ist nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) am Donnerstag angegriffen worden. Die IAEA wurde vom Kernkraftwerk Saporischschja darüber informiert, dass das nahegelegene Wärmekraftwerk „heute Morgen schwer angegriffen wurde“, teilte die Behörde in einer Erklärung auf X mit.

Die Schaltanlage des Wärmekraftwerks ist nach IAEA-Angaben an der Stromversorgung des nahegelegenen Atomkraftwerks Saporischschja beteiligt. Das IAEA-Team vor Ort habe leichten Rauch aus Richtung des Wärmekraftwerks aufsteigen sehen und Geräusche „militärischer Aktivität“ gehört, hieß es. Über mögliche Verantwortliche des Angriffs machte die Behörde zunächst keine Angaben.

Nur noch eine Stromleitung in Betrieb

Der Vorfall sei Anlass zu „ernster Sorge“, da das Atomkraftwerk derzeit nur noch über eine einzige externe Stromleitung versorgt werde, hieß es weiter. Diese Leitung sei in den vergangenen Wochen mehrfach unterbrochen worden. In solchen Fällen müssen Notstromdieselgeneratoren die Kühlung der sechs Reaktoren übernehmen, um „die Gefahr eines nuklearen Unfalls abzuwenden“.

Zum Zeitpunkt der Mitteilung sei die Stromleitung weiterhin angeschlossen, das Personal des Wärmekraftwerks habe sich in Schutzräume begeben, hieß es weiter. IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi forderte laut der Mitteilung ein sofortiges Ende der Angriffe, um einen längeren Stromausfall an der Anlage zu vermeiden.

17. Stromausfall seit Kriegsbeginn

Bereits in der Nacht zum Mittwoch hatte das Atomkraftwerk laut IAEA zum 17. Mal seit Kriegsbeginn im Februar 2022 die externe Stromversorgung verloren. Auslöser sei ein Drohnenangriff auf das Umspannwerk Nikopolska auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses Dnipro gewesen. Die einzige verbliebene Stromleitung sei für rund 20 Minuten unterbrochen gewesen, in dieser Zeit hätten die Notstromgeneratoren die Versorgung übernommen.

Das Atomkraftwerk Saporischschja ist laut AFP das größte Atomkraftwerk Europas und befindet sich seit März 2022 unter russischer Kontrolle. Die sechs Reaktoren sind abgeschaltet, die Anlage benötigt jedoch weiterhin Strom für Kühl- und Sicherheitssysteme. Russland und die Ukraine werfen sich seit Kriegsbeginn gegenseitig vor, mit Angriffen rund um die Anlage eine nukleare Gefahrenlage zu riskieren.

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