„Wir haben auf unserem Hof am Dienstag mit der Ernte begonnen, und gleich am ersten Tag eine Tonne Spargel geerntet“, sagte Jürgen Jakobs vom Beelitzer Spargelverein. Das sei überraschend viel gewesen. Am nächsten Tag waren es bereits 2,5 Tonnen. „So geht es jetzt weiter.“
„Schmeckt edel und frisch“
In der Vergangenheit war das nicht immer so. Es gab auch Jahre, als zum Saisonstart geradezu in den Spargeldämmen gewühlt werden musste, um genügend Stangen für das Eröffnungsfest zu finden. Es gab auch Jahre, in denen es sehr frühen Spargel gab. Aber selten war es dann so viel wie in dieser Saison.
Und wie schmeckt er dieses Jahr? „Er schmeckt sehr edel und richtig schön frisch“, sagte Jakobs. „Mir schmeckt das erste Frischegemüse des Jahres nun mal am besten.“
Hoher Startpreis
Der Spargelpreis ist zum Saisonstart immer besonders hoch. In den Hofläden der Spargelbauern kostet derzeit ein Kilo bester Spargel (HandelsklasseI) zwischen 12,95 und 14,95 Euro. Im vergangenen Jahr lag der Startpreis mit 16,95 Euro noch höher.
Wie schnell der Preis fällt, hängt vor allem von den Erntemengen ab. Da sie dieses Mal sehr hoch sind, wird der Preis recht schnell fallen. Bis Ostern wird für besten Spargel wohl noch 10 Euro pro Kilo verlangt. Aber nach den Feiertagen dürfte der Preis recht schnell darunter fallen.
Die Folien sind für die Bauern auch wichtig, weil sie so die Erntemenge besser steuern können: An warmen Tagen liegt die helle Seite der Folie nach oben. So wird die Sonne reflektiert und es fällt nicht zu viel Spargel an. An kalten Tagen liegt die dunkle Seite nach oben, so werden die Dämme wärmer und die Erntemenge steigt.
Gleichmäßige Erntemengen sind auch gut für die Erntehelfer aus Polen oder Rumänien. Bei wenig Ertrag können sie manchmal nur drei Stunden pro Tag arbeiten, bei großen Mengen müssen sie dann bis zu 16 Stunden ran.
Nun zur schlechten Spargel-Nachricht: Die Spargelbauern sind Umweltsünder – das ist jedenfalls die Meinung der Grünen im Landtag. Denn die Bauern decken über die langen Sanddämme, in denen die Spargelstangen wachsen, seit einiger Zeit lange Folien. Die wirken wie ein Gewächshaus und sorgen dafür, dass der Spargel zeitiger im Jahr geerntet werden kann. Und wer früh den begehrten Spargel erntet, hat einen wichtigen Wettbewerbsvorteil, weil die Preise zum Saisonstart stets besonders hoch sind.
„Mehr als 90 Prozent des Spargels werden unter Folie hochgezogen“, sagte der Grünen-Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke. „Aber der Wettbewerb um den ersten Spargel der Saison darf nicht auf dem Rücken der Natur ausgetragen werden, denn der massive Anbau unter Folie geht zulasten von Natur, Tierwelt und Landschaftsbild.“
Gemeint ist, dass unter den Folien nichts anderes mehr wächst als Spargel. Das habe „massive negative Folgen für die Artenvielfalt“. Die Felder seien riesige Monokulturen. Da andere Pflanzen fehlten, gebe es weniger Insekten, die wiederum die Nahrungsgrundlage vieler Vögel sind. Reschke sagte, dass der Spargelanbau unter Folie besonders problematisch in Vogelschutzgebieten sei. „Im Europäischen Vogelschutzgebiet Mittlere Havelniederung beispielsweise sind durch den Anbau unter Folie 21 Vogelarten nicht mehr vorhanden“, behauptete er. Deshalb sollten nur noch zehn Prozent der Spargelflächen mit Folien bedeckt sein. Denn Spargel ohne Folie schmecke genauso gut.
Spargelbauer Jakobs sieht dies naturgemäß anders. „Wenn wir den Einsatz der Folie auf zehn Prozent reduzieren, können wir den Spargelanbau vergessen.“ Die Folien seien nötig, um konkurrenzfähig zu sein. „Wir können doch nicht zurück zur Landwirtschaft mit Pferd und Pflug.“ Ohne Folien würden sich die Spargelköpfe außerdem lila oder grünlich verfärben. „Das wollen die Verbraucher nicht mehr.“
Die Folien hätten auch ökologische Vorteile: Da darunter kein Unkraut wachse, müssten auch keine chemischen Mittel mehr eingesetzt werden. Ein weiterer Vorteil: Durch die Folien werde viel mehr Wasser im Boden gespeichert. „Es ist absurd, uns Spargelbauern für das Aussterben von Vögeln verantwortlich zu machen.“
Die Wiederentdeckung der Hecke
Der Sprecher des Umweltministeriums, Jens-Uwe Schade, sagte, dass es noch unklar sei, ob es landesweite Auswirkungen der Folie auf die Artenvielfalt gebe. In Brandenburg gibt es eine Millionen Hektar Äcker, aber maximal 3000 Hektar Spargelfläche. Bisherige Untersuchungen können nicht bestätigen, dass es erhebliche Schädigungen gibt. Es sei aber nicht auszuschließen, dass es im direkten Umfeld der Felder Auswirkungen gebe.
Das Land plant jedenfalls ein „Heckenprogramm“. Bauern sollen Finanzhilfen beantragen können, um Hecken zu pflanzen und so die Landschaft wieder stärker zu strukturieren – egal, ob am Spargelfeld oder an anderen großen Äckern. In den Hecken siedeln sich zahlreiche Insekten an, und viele Vögel nisten dort. „Das Programm muss von der EU noch abgesegnet werden“, sagte Schade. In diesem Jahr sind dafür 1,5 Millionen Euro vorgesehen, in den Folgejahren 600.000 Euro.
Hier gibt es Spargelhöfe mit Gaststätten
Die Beelitzer Region im Landkreis Potsdam-Mittelmark gilt als bundesweit größte zusammenhängende Spargelregion. Dort werden 75 Prozent des Spargels aus Brandenburg produziert.
Die Hofläden auf den Spargelhöfen sind meist mindestens von 8 bis 18 Uhr geöffnet – eine Auswahl der Höfe mit Gaststätte:
POTSDAM-MITTELMARK
1. Jakobs-Hof Beelitz
14547 Beelitz, Kähnsdorfer Weg 15
Tel. 033204–62727
www.jakobs-hof.de
2. Spargelhof Klaistow Buschmann & Winkelmann
14547 Beelitz-Klaistow, Glindower Str. 28
Tel. 033206–61070
www.buschmann-winkelmann.de
3. Spargelhof Hugo Simianer
14547 Beelitz-Busendorf,
In den Stegwiesen 1
Tel. 033206–44 34
www.beelitzer-spargel.com
4 Spargelhof Josef Jakobs
14547 Beelitz-Schäpe, Schäpe 21
Tel. 033204–419 70
www.jakobs-spargel.de
5. Spargelhof Syring
14547 Beelitz-Zauchwitz, Trebbiner Str. 69 f
Tel. 033204–638 00
www.spargelhof-syring.de
6. Spargelhof Leue
14550 Großkreutz-Neu Bochow, Lehniner Chaussee 3
Tel. 033207–308 00
www.obst-spargelhof-leue.de
7. Domstiftsgut Mötzow
14778 Beetzseeheide-Butzow,
Gutshof 1 Tel. 033836–20 80
www.vielfruchthof.de
HAVELLAND
8. Spargelland Hoppenrade
14641 Wustermark, Knoblaucher Weg 8k ; Tel. 033234–604 32
www.spargelland-hoppenrade.de
TELTOW-FLÄMING
9. Spargelgut Diedersdorf
15831 Diedersdorf, Birkholzer Str. 3
Tel. 03379– 20 33 55
www.spargelgut-diedersdorf.de
10. Spargelhof Siethen
14974 Ludwigsfelde-Siethen,
Dorfstr. 13
Tel. 03378–87 43 38
www.spargelhof-siethen.de
OBERHAVEL
11. Spargelhof Kremmen
16766 Kremmen,
Groß-Ziethener Weg 2
Tel. 033055–20 80
www.spargelhof-kremmen.de
OBERSPREEWALD-LAUSITZ
12. Spreewaldbauer Ricken
03226 Vetschau, Stradower Weg 27
Tel. 035433–5929–0
www.spreewaldbauer-ricken.de
Informationen auch zu weiteren Spargelhöfen mit Hofläden, aber ohne Gastronomie unter: www.gartenbau-brandenburg.de und www.beelitzer-spargelverein.de.
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