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Alexej Nawalny: Team bestätigt Tod, Mutter und Anwalt suchen Leiche

Das Team des inhaftierten Kremlgegners Alexej Nawalny hat dessen Tod bestätigt. Die Leiche Nawalnys sei allerdings nicht an dem von den russischen Behörden genannten Ort.

Team News dpa/AFP/BLZ
4 Min
Das Team des inhaftierten Kremlgegners Alexej Nawalny hat dessen Tod bestätigt. 

Das Team des inhaftierten Kremlgegners Alexej Nawalny hat dessen Tod bestätigt. 

© Pavel Golovkin/AP

Das Team des inhaftierten Kremlgegners Alexej Nawalny hat dessen Tod bestätigt. Das teilte Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch am Samstag bei X (vormals Twitter) unter Berufung auf Nawalnys Mutter Ljudmila Nawalnaja mit. Sie war in das Straflager im Norden Russlands gereist und habe dort die Nachricht über den Tod ihres Sohnes erhalten.

Der Tod des 47-Jährigen sei laut einem der Mutter überreichten Dokument am Freitag um 14.17 Uhr Ortszeit (10.17 Uhr MEZ) eingetreten, so Jarmysch weiter. Ein Mitarbeiter des Straflagers jenseits des Polarkreises habe mitgeteilt, dass sich Nawalnys Leichnam in der Stadt Salechard zur Untersuchung befinde. Mitarbeiter des staatlichen Ermittlungskomitees hätten die Leiche abgehol.

Kurz darauf teilte Jarmisch mit, dass sich Nawalnys Leiche nicht am von der Gefängnisverwaltung angegebenen Ort befinde. Nawalnys Anwalt, der am Samstag zusammen mit der Mutter des verstorbenen Oppositionspolitikers in Salechard eintraf, habe die Telefonnummer der geschlossenen Leichenhalle angerufen und die Auskunft erhalten, dass „Alexejs Leiche nicht in der Leichenhalle ist“, erklärte Jarmisch.

In der Strafkolonie wurde Nawalnys Mutter nach Angaben von Sprecherin Jarmisch ein „offizielles Dokument“ überreicht, das den Tod ihres Sohnes bestätigt. „Wir warten immer noch auf die offizielle Sterbeurkunde“, betonte sie.

Behörde: Nawalny nach Spaziergang zusammengebrochen

Nach Angaben der russischen Strafvollzugsbehörde war der 47-Jährige am Freitag nach einem Spaziergang in seinem Straflager zusammengebrochen und gestorben. Die Ursache für den Tod Nawalnys, der seit drei Jahren im Gefängnis saß, sei noch unklar.

Nawalny war der prominenteste und entschiedenste Gegner von Russlands Präsident Wladimir Putin, er verbüßte in der Strafkolonie in Charp in der russischen Polarregion eine 19-jährige Haftstrafe. Nawalny „fühlte sich nach einem Spaziergang schlecht und verlor fast unverzüglich das Bewusstsein“, erklärte die Strafvollzugsbehörde FSIN zu dem Geschehen in dem Lager. Wiederbelebungsmaßnahmen hätten keinen Erfolg gehabt.

Nach dem Zusammenbruch Nawalnys sei sofort medizinisches Personal zur Stelle gewesen, auch sei ein Rettungswagen gerufen worden: „Es wurden Wiederbelebungsmaßnahmen durchgeführt, die keine positiven Ergebnisse brachten“, gab die FSIN an. „Sanitäter haben den Tod des Sträflings festgestellt. Die Ursachen des Todes müssen noch geklärt werden.“ Nach Angaben eines nahe gelegenen Krankenhauses versuchten die Rettungskräfte „mehr als 30 Minuten lang“, Nawalny zu reanimieren.

Russische Staatsmedien berichteten zudem, dass Nawalny noch am Donnerstag per Videoschalte an einer Gerichtsanhörung teilgenommen habe. Dabei habe er gelacht und gescherzt. Nawalny-Anwalt Leonid Solowjow sagte der Zeitung Nowaja Gaseta, dass ein Kollege den 47-Jährigen am Mittwoch gesehen habe. „Da war alles normal.“

Großbritannien bestellt nach Nawalnys Tod russisches Botschaftspersonal ein 

Der Tod Nawalnys löste weltweit Bestürzung aus, es gab zahlreiche Demonstrationen und Mahnwachen. In Russland wurden mehr als 100 Menschen festgenommen. Auch in Berlin wurde vor der russischen Botschaft eine Mahnwache für den toten Kreml-Kritiker abgehalten, rund 1000 Menschen nahmen teil. Menschenrechtler werfen dem russischen Machtapparat Mord vor. Auch die Mitarbeiter Nawalnys gingen davon aus, dass er gezielt getötet wurde.

Die britische Regierung bestellte diplomatisches Personal der russischen Botschaft ein. Damit wolle London deutlich machen, dass es „die russischen Behörden uneingeschränkt verantwortlich“ für Nawalnys Tod mache, erklärte das britische Außenministerium am Freitag. Nawalnys Tod in einer Strafkolonie in der russischen Polarregion müsse „vollständig und transparent untersucht“ werden.

Aus dem Außenministerium hieß es weiter, in den vergangenen Jahren hätten die russischen Behörden Nawalny „aufgrund falscher Anschuldigungen inhaftiert, ihn mit einem verbotenen Nervenkampfstoff vergiftet und in eine arktische Strafkolonie geschickt“. Niemand solle „an der Brutalität des russischen Systems zweifeln“.

Bereits zuvor hatte der britische Außenminister David Cameron gesagt, Putin solle „zur Rechenschaft gezogen werden für das, was geschehen ist“.

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